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Außen hui, innen pfui
Als Kriminalhauptkommissar Hans-Joachim Stelting im Sommer 1990 nach dem Urlaub ins Büro zurückkam, währte seine Freude über die neue Computeranlage samt Laserdrucker nicht lange: Er bekam Dauerschnupfen, nach sechs Monaten diagnostizierte sein Arzt Asthma bronchiale. 1997 wurde Stelting wegen Dienstunfähigkeit vorzeitig pensioniert. Der Grund: eine Asthmaerkrankung, hervorgerufen durch Tonerstaub aus Kopierern und Laserdruckern.
Der Kriminalhauptkommissar ist der Erste von bislang drei Arbeitnehmern, bei denen die Berufsgenossenschaften oder die zuständigen Behörden Gesundheitsschäden durch Toner offiziell anerkannt haben. »Für elf Toner-Erkrankungen gibt es bereits medizinische Beweise«, berichtet Stelting, Sprecher der Interessengemeinschaft Tonergeschädigter (ITG). Bundesweit habe die ITG bislang rund 100 Verdachtsfälle registriert.
Harmloser Dauerschnupfen, Reizungen der Schleimhäute, aber auch unspezifische Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen und leichtes Fieber können laut der ITG Anzeichen dafür sein, dass der Körper auf den Toner aus Laserdruckern, Kopierern und Laserfaxen reagiert.
Der Gefahr sind Millionen Menschen ausgesetzt. Denn Laserdrucker werden immer häufiger genutzt, drucken sie doch schneller und oft billiger als Tintenstrahler und noch dazu gestochen scharf. Pro Jahr werden in Deutschland mehr als eine Million Geräte verkauft, die meisten stehen in Büros.
Beim Laserdruck überträgt ein Laser das Druckbild auf eine Bildtrommel, von der das Papier den Toner übernimmt. Fixiert wird er durch Hitze und Druck. Eigentlich sollte dabei kein Toner frei werden. Doch gerade bei älteren Druckern »sieht es innendrin manchmal aus wie im Schornstein«, zitierte der Spiegel jüngst einen Fachmonteur in einem Bericht über die Gesundheitsgefahren durch Laserdrucker. Der Tonerstaub kann durch die Geräte-Lüftung nach draußen geblasen werden. Die Wiener Lungenärztin Dr. Christine Armbruster hat Toner bereits in der Lunge eines Patienten nachgewiesen, der in einem Copy-Shop gearbeitet hatte.
Dennoch bagatellisieren Hersteller und Berufsgenossenschaften das Problem. Auch das Umweltbundesamt (UBA) beschwichtigte jüngst in einer Pressemitteilung: »Werden moderne Laserdrucker, Fax- und Kopiergeräte regelmäßig gewartet und ordnungsgemäß behandelt, gelangen nur minimale Mengen an Tonerstaub in die Umgebung.« Das kann aber schon zu viel sein. ÖKO-TEST hat zehn Tonerkartuschen für Laserdrucker der großen Hersteller ins Labor geschickt. Wir wollten wissen, was in den Tonern steckt, denn nicht nur der Staub kann problematisch sein, sondern auch dessen flüchtige Bestandteile. Sie können durch die Hitze beim Drucken ausdünsten. Außerdem hat das von uns beauftragte Labor an zwei Laserdruckern exemplarisch untersucht, welche Schadstoffe beim Drucken freigesetzt werden.
Das sind die Testergebnisse
Die zehn getesteten Toner enthalten einen Cocktail aus Chemikalien, von denen man oft noch nicht weiß, ob sie die Gesundheit beeinträchtigen können. Nur zwei Produkte sind »empfehlenswert«.
Die Epson Developer Cartridge S050010 und der Minolta/QMS Toner PagePro 8/1100 überschritten unseren Grenzwert für die Summe zinnorganischer Verbindungen von 2500 Mikrogramm pro Kilogramm (µg/kg) um das mehr als 20fache. Sie sind »nicht empfehlenswert«. Unter den nachgewiesenen Verbindungen waren große Mengen Dibutylzinn, das eine hormonähnliche Wirkung bei Mensch und Tier hat. Auch das giftige Tributylzinn (TBT) war in Spuren nachweisbar.
In sechs Tonern stecken Nickel und/oder Kobalt. Diese Schwermetalle können Krebs erzeugen, wenn sie als Staub mit der Atemluft aufgenommen werden. Wir werteten die Toner deshalb um eine Stufe ab. Andere bedenkliche Schwermetalle enthielten die Toner nicht.
Der Verbatim EP-22 Toner enthält 30 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) Krebs erzeugendes Benzol und wird deshalb um drei Stufen abgewertet. Unsere Emissionsmessungen an zwei Druckern im Betrieb zeigten, dass dieser Benzol-Gehalt zu einer Ausdünstung von rund 30 µg/m3 in der Prüfkammer führen kann. Der Grenzwert des Laserdrucker-Labels der Verwaltungsberufsgenossenschaft BG-Prüfzert - sicher, ergonomisch emissionsarm von 25 Mikrogramm Benzol pro Kubikmeter (µg/m3) kann somit schnell erreicht werden.
Krebsverdächtiges Styrol und/oder Phenol fanden sich zumindest in Spuren in allen Tonern. Zwei Drucker enthielten jedoch so große Mengen, dass wir sie um eine Stufe abwerteten: Im Pelikan Toner steckten 240 mg/kg Styrol. Geht man davon aus, dass während des Betriebs rund 240 µg/m3 in der Prüfkammer freigesetzt werden, ist der Grenzwert für Styrol-Emissionen des Umweltzeichens Blauer Engel von 70 µg/m3 weit überschritten. Der Kyocera Toner Kit TK-60 enthält 110 mg/kg Phenol, das ebenfalls beim Drucken ausdünsten kann. Weitere aromatische Kohlenwasserstoffe steckten in meist geringen Mengen in allen Tonern.
Erfreulicherweise enthielten die Toner keine krebsverdächtigen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Damit kann der häufig als Farbstoff eingesetzte Industrieruß verunreinigt sein.
Krebsverdächtige aromatische Amine aus Azo-Farbstoffen konnte das von uns beauftragte Labor ebenfalls nicht in den Tonern nachweisen.
Drei Toner enthalten flüchtige Acrylate, die allergisierend wirken können. Wegen der geringen Mengen führten sie nicht zu einer Abwertung.
Im Emissionstest wurden je ein mit dem Blauen Engel ausgezeichneter Laserdrucker des Marktführers Hewlett-Packard und des Branchenzweiten Kyocera geprüft. Dabei zeigte sich, das mehrere Bestandteile der Toner als Gas aus dem Gerät austreten. Der HP Laserjet 4100 setzte während des zweistündigen Betriebs in der Prüfkammer insgesamt 1100 µg/m3 flüchtige organische Stoffe (TVOC) frei, im Stand-by-Betrieb waren es immerhin noch 190 µg/m3. Aus dem Kyocera ECO FS-1800 dünsteten sogar 1800 µg/m3 TVOC aus, darunter das Krebs erzeugende Benzol. Im Stand-by-Betrieb waren es immer noch 120 µg/m3. Laut Bundesgesundheitsblatt ist der Aufenthalt in Räumen mit TVOC-Konzentrationen von mehr als 1000 µg/m3 »allenfalls vorübergehend zumutbar«. Zwar sind die in der Prüfkammer gemessenen Werte höher als die Belastung in einem größeren Büro. Die Messungen zeigen aber, dass die bedenklichen TVOC beim Drucken in großen Mengen frei werden.
Beide Geräte gaben mit 40 µg/m3 mehr Ozon ab, als der Blaue Engel toleriert (20 µg/m3). Unsere Prüfbedingungen waren jedoch strenger.
Kein Gerät setzte einatembaren Staub frei. Allerdings handelte es sich auch um neue Geräte. Dass Laserdrucker Staub frei setzen können, zeigen eine Untersuchung des TÜV Rheinland sowie ein Forschungsprojekt Farbtoner, das die Verwaltungsberufsgenossenschaft beim Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitssicherheit (BIA) in Auftrag gegeben hatte. Nicht zuletzt sprechen die medizinisch bestätigten Toner-Erkrankungen dafür.
So reagierten die Hersteller
Die Hersteller Hewlett-Packard und Kyocera kritisierten, dass unsere Emissionsmessungen in der Prüfkammer nicht den Bedingungen in einem Büro entsprechen würden. Wir wollten jedoch prüfen, ob die Geräte bedenkliche Stoffe frei setzen. Schließlich geht es darum, die Belastung mit Schadstoffen möglichst gering zu halten - zumal Laserdrucker im Büro nicht die einzige Schadstoffquelle sind: Auch Möbel und Teppichböden können gesundheitsschädliche Stoffe abgeben.
Was tun?
Laserdrucker, Kopierer und Laserfaxe stehen am besten in gut gelüfteten, separaten Räumen.
Toner sollte nicht auf die Haut kommen oder eingeatmet werden. Wenn Toner auf Haut oder Kleidung gelangt, hilft kaltes Wasser. Heißes Wasser fixiert ihn. Verschütteter Toner kann mit einem feuchten Tuch aufgenommen werden.
Bei Papierstau ist es ratsam, das Papier nicht gewaltsam aus dem Drucker zu reißen. Sonst kann noch nicht fixierter Tonerstaub freigesetzt werden und Atemwege, Haut und Augen gefährden.
Fast alle Druckertreiber bieten die Option »Toner sparen« an. Wird dies als Grundeinstellung gewählt, muss die Tonerkartusche seltener gewechselt werden.
Laserdrucker sollten regelmäßig von Fachpersonal gewartet werden.
Die meisten Tonerkartuschen können zum Recycling an den Hersteller zurückgegeben werden. Wieder befüllte Kartuschen sollten der neuen DIN-Norm 33870 entsprechen, die Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen für Kartusche und Toner festlegt.
Informationen über Tonerstauberkrankungen gibt es bei der Interessen-gemeinschaft Tonergeschädigter unter
www.krank-durch-Toner.de.
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