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Den Spruch »Haribo macht Kinder froh« kaufte Hans Riegel Anfang der dreißiger Jahre von einem durchreisenden Werbetexter. Inzwischen sind seine Haribo-Produkte in aller Munde, und auch ÖKO-TEST ist auf den Geschmack gekommen.
Die Geschichte der beliebten Gummibärchen begann in einer kleinen Hinterhof-Waschküche im Bonner Vorort Kessenich. Unter dem Namen Haribo - Abkürzung für Hans Riegel Bonn - ließ der gelernte Bonbonkocher seine neue Firma 1920 ins Handelsregister der Stadt eintragen. Als Startkapital brachte er einen Sack Zucker mit, seine Frau war die erste Mitarbeiterin. Auf dem Fahrrad kutschierte sie täglich einen Zentner Bonbons zur Kundschaft.
Schon bald suchte der erfinderische junge Unternehmer nach neuen Ideen. Fruchtgummi-Produkte waren zwar schon bekannt. Hans Riegel aber wollte eine ganz neue Form entwerfen. Nächtelang saß er am Schreibtisch, zeichnete und verwarf. Schließlich wurde es geboren: das Gummibärchen. Es ist die bis heute bekannteste Haribo-Süßigkeit.
Nur drei Jahre später, 1925, folgte die fast ebenso berühmte und erfolgreiche Lakritz-Schnecke. Während des zweiten Weltkrieges mußte die Produktion eingeschränkt werden, weil es kaum noch Rohstoffe gab. 1945 standen die Maschinen eine Zeitlang sogar völlig still. In diesem Jahr starb auch der Gründer des Familienbetriebes. Seine Frau führte das Unternehmen, bis die Söhne aus der Gefangenschaft heimkehrten. Von da an kümmerte sich Hans um den kaufmännischen Bereich, Bruder Paul um Technik und Produktion.
Inzwischen werden die Haribo-Leckereien an 15 Standorten in acht europäischen Ländern hergestellt. Weltweit hat das Unternehmen 5000 Mitarbeiter, allein in Deutschland sind es 2500. Ihre Größe erreichte die Firma durch diverse Übernahmen. So kaufte Haribo 1957 die Bad Godesberger Süßwarenfabrik Kleutgen & Meier, wo Hans Riegel das Bonbonkochen gelernt hatte. Nach der Wiedervereinigung kam der ehemals volkseigene Betrieb Wesa in der Nähe von Zwickau dazu. In jüngster Zeit folgten die Firmen Maoam und Vademecum. Seinen
Marktanteil im Lakritz- und Fruchtgummibereich konnte das Unternehmen auf bis zu 60 Prozent ausweiten.
Was aber ist das eigentliche Erfolgsrezept von Haribo? »Die Tradition der Marke und die Qualität der Produkte sind unsere Schlüssel zum Erfolg«, erklärt Dr. Franz-Josef Weihrauch, Leiter der Pressestelle. Genaueres ist von der Firmenzentrale leider nicht zu erfahren. Rezepturen und Produktionsverfahren sind wohlgehütete Geheimnisse. Deshalb weiß auch niemand so ganz genau, wie der bärenstarke Geschmack der Fruchtgummis entsteht.
Marktforschung wird bei Haribo kaum betrieben. Bei der Entwicklung neuer Produkte verläßt sich Hans Riegel lieber auf seinen eigenen Geschmack und den seiner Mitarbeiter. »Wer von den Angestellten gerade da ist, probiert mit und wird nach seiner Meinung gefragt«, erzählt Weihrauch über das Testverfahren. Natürlich müsse man auch auf Trends achten. So sei seit zwei, drei Jahren Saures angesagt, und Haribo bedient die modernen Geschmacksnerven mit den Fruchtgummisorten Saure Saurier, Saure Pommes und Pasta Frutta.
Für den deutschen Markt haben Riegel und sein Team etwa 200 verschiedene Produkte entwickelt - süße, saure, milde und salzig lakritzige. Und Firmeninhaber Hans Riegel hat ebenso wie alle anderen frohen Haribo-Kunden seine ganz besondere Vorliebe: »Ich nehme immer drei oder vier Goldbärchen gleichzeitig mit einer Lakritzschnecke.«
Wir kauften für unseren Test die Mischung, in der jeder etwas findet: die 300-g-Packung Haribo Color Rado. Die Zusammensetzung der Zufallsmischung kann sich von Tüte zu Tüte erheblich unterscheiden. In der Regel besteht Color Rado aber zu zwei Dritteln aus Fruchtgummis, teilweise kombiniert mit Schaumzucker. Der Rest ist Lakritz pur oder in Kombination mit Zuckerguß oder -paste. ÖKO-TEST-Berater Dr. Dieter Wundram fällt darüber ein klares Urteil: »Die Inhaltsstoffe sind für eine konventionelle Süßigkeit akzeptabel bis lobenswert.«
Das hat uns gut geschmeckt
Unser Labor ermittelte im Lakritzanteil einen Gehalt von 0,1 Prozent Glycyrrhizinsäure. Das ist ein natürlicher Bestandteil des Süßholzsaftes, der den Lakritzen ihren typischen Geschmack gibt.: Der regelmäßige Genuß von täglich mehr als 100 Milligramm Glycyrrhicin kann das Verhältnis von Natrium und Kalium im Körper verändern und so den Blutdruck erhöhen. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) rät deshalb allen, die unter Herz- Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes leiden sowie Schwangeren, nicht zu viel Lakritze zu essen. Wer eine ganze Tüte Color Rado vernascht, braucht aber noch keine Angst zu haben. Sie enthält nur etwa 70 Milligramm Glycyrrhizin.
Auch die Gelatine ist nicht zu beanstanden. Laut Haribo stammt sie wegen der möglichen BSE-Gefährdung schon seit Mitte der 80er Jahre ausschließlich vom Schwein. Zudem geliert Schweine-Gelatine besser. Gefärbt werden die Color Rado-Süßigkeiten mit Auszügen aus natürlichen Pflanzen und Früchten. Die Aromen allerdings sind künstlich, aber nicht gesundheitlich bedenklich.
Was tun?
Color Rado ist ebenso wie alle anderen Haribo-Produkte eine Süßigkeit. Sie besteht zu drei Vierteln aus Zucker. Wer 100 Gramm davon ißt, bürdet sich ungefähr 340 Kilokalorien auf.
Laut BgVV ist bei ausländischen Lakritz-Produkten Vorsicht geboten. Sie enthalten oft über 0,2 Prozent Glycyrrhizin und damit mehr, als das Amt Schwangeren sowie Menschen mit Kreislauferkrankungen und Diabetes empfiehlt.
Wer mehr über Haribo wissen möchte, klickt www.haribo.de im Internet an. Unter www.gummibaerchen-Forschung.de werden Fragen zum Gummitier geklärt. Themen sind unter anderem: »Zur Tiefenpsychologie der Gummibärchen« oder »Das Gummibärchen in der Musik«.
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