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Kleben geblieben
Mit dem richtigen Kleister drücken sich die Tapeten so eng an die Wand, dass keine Blasen oder offenen Nähte entstehen. Die meisten Produkte schneiden "sehr gut" oder "gut" ab.
"Erst eine Bahn in der Mitte, dann im Zickzack von innen nach außen zur Kante hin weg Streichen." Der Fachlehrer Peter Hoffmann in der August-Bebel-Berufsschule in Offenbach am Main macht den angehenden Malern und Lackierern genau vor, wie man eine Tapete sorgfältig einkleistert. Denn die milchige Pampe soll an jedem Zipfel kleben, damit die Raufaser überall optimal hängen bleibt. Zuvor wurden die Kleisterpulver mit den angegebenen Mengen Wasser verrührt und nach Vorschrift eingeweicht.
Kleister gibt es für verschiedene Tapetensorten. "In den meisten Fällen reicht normaler Zellulose-Kleister ohne Zusätze völlig aus", sagt Malermeister Hoffmann. Baumärkte und Fachgeschäfte bieten allerdings eine breite Palette Spezialkleister mit erhöhter Klebekraft durch Kunstharze an. Zu den Weiterentwicklungen gehören spezielle Pulver für Strukturvinyl-, Profil- und Textiltapete auf der Basis von Methylzellulose und anderen Bindemitteln mit Konservierungsstoffen und Zusätzen gegen Schimmelbildung. Solche Produkte können unter anderem Formaldehyd oder deren Abspalter enthalten. Sie bilden zudem zwischen Wand und Tapete eine Dampfsperre, durch die das Raumklima verschlechtert wird.
Die pulverförmigen Produkte entfalten ihre Klebeeigenschaften in Verbindung mit Wasser. Normalkleister sollte 20 Minuten, Spezialkleister etwa 30 Minuten quellen. Bevor es losgeht, muss die Kleistermasse noch mal kräftig durchgerührt werden. Für ganz Eilige gibt es schnell lösliche Instantkleber. Sie können nach drei bis fünf Minuten auf die Tapete gestrichen werden.
Weil heute etwa jede dritte Tapete eine Raufaser ist, hat ÖKO-TEST 25 Kleber eingekauft, die dafür geeignet sind, und im Labor auf Schadstoffe untersuchen lassen. Darunter sind auch Tabs, Kleister in Würfelform, die sich angeblich besser auflösen, gut dosierbar und schneller einsatzbereit sind. Um einzuschätzen, ob der Kleister hält, was er verspricht, haben wir auch einen Praxistest gemacht.
Das sind die Testergebnisse
Alle Tapetenkleister kleben optimal und halten die Raufaser ordentlich an der Wand. Nur was die Vorbereitung angeht, hatte Malermeister Hoffmann für etliche Produkte Verbesserungsvorschläge. Bei einigen war ihm die Anleitung nicht umfassend genug. Bei den weißen Metylan Tabs etwa soll man rühren, bis sie sich vollständig auflösen. "Das sieht man in dem milchigen Brei aber nicht", war Hoffmanns Erfahrung. Drei Bio-Produkte klumpen, obwohl Hoffmann kräftig gerührt hat. "Dann lässt sich der Kleister schlecht verstreichen." Auch zu dünn sollte die Masse nicht sein. Im Praxistest schneiden zwei Kleister insgesamt "gut" ab. Mit den anderen 23 war Hoffmann voll zufrieden.
Den Schadstoff-Test haben zehn von 25 Produkten anstandslos bestanden. Neun bekamen die Note "gut". Mit "ausreichend" am schlechtesten schnitt der FLT Kleister Instant ab.
Neun Tapetenkleister enthalten Formaldehyd oder Formaldehyd-Abspalter; in sechs der neun Päckchen fanden sich aber nur Spuren. In niedrigen Konzentrationen handelt es sich um Verunreinigungen der Rohstoffe. Werte bis 20 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) tolerieren wir. Was darüber liegt, ist zu viel. Bei 140 mg/kg im Holzweg Naturfarben Tapetenkleister könnte es zur Konservierung zugesetzt sein. Verdünnt mit Wasser sind diese Mengen zwar kaum gefährlich. In Innenräumen hat dieser Stoff trotzdem nichts verloren.
Sechs Mal bemängeln wir halogenorganische Verbindungen. Auch dabei kann es sich um Verunreinigungen handeln. Sie kommen aber auch durch Pilzhemmer wie Isothiazolinon ins Pulver. Damit wollen Hersteller den Kleister gegen Bakterien schützen. Das ist jedoch gar nicht nötig.
Um die Klebkraft zu erhöhen, sind 13 Kleister mit Kunstharzen verstärkt. Sie werden aus Erdöl hergestellt. Dabei entstehen giftige Emissionen und Abfälle.
Was tun?
Ob Kleister Schadstoffe enthält, sieht man ihm nicht an. Die Bio-Hersteller Auro, Biofa, Leinos und Livos verzichten aber auf Konservierungsstoffe. Der angerührte Kleister muss deshalb schnell verbraucht werden.
Dicker Kleister hält schwere Tapete mit hoher Saugfähigkeit besser als dünner. Lieber dick angerührten Kleister dünn auftragen als umgekehrt.
Die Masse hält am besten, wenn sie gut durchgerührt wird und lange quillt, bis sie eine transparente Farbe annimmt.
Wenn der Kleister auf der Tapete Flecken hinterlässt, lassen sie sich mit einem feuchten Tuch wegwischen, bevor der Kleber antrocknet. Nicole Galliwoda
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