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    Die Menschen im Irak und die Zahl 188

     

    188 US-Dollar im Jahr beträgt der Wert der Waren, die derzeit pro Kopf in den Irak geliefert - und nicht vorher durch die UN-Sanktionen aufgehalten werden. Viel zu wenig, um ein normales Leben führen zu können. Darauf hat der frühere UN-Koordinator für humanitäre Hilfe im Irak, Hans-Christian Graf von Sponeck, am Dienstag in einem Pressegespräch hingewiesen. Gemeinsam mit Greenpeace warnte der Experte vor den verheerenden Folgen, die ein neuer Irak-Krieg für Bevölkerung und Umwelt hätte. Von Sponeck ist erst vor kurzem von einer Reise in den Irak zurückgekehrt. Seit dem Jahre 2000, als er sein Amt bei den Vereinten Nationen aus Protest gegen die Sanktionspolitik des UN-Sicherheitsrates niederlegte, reist er immer wieder dorthin. Die 24 Millionen Menschen im Irak, sagt er, leiden seit dem ersten Golfkrieg unter den "schlimmsten Wirtschaftssanktionen, die je ein Volk erlebt hat". "Jegliche Infrastruktur kann nicht repariert, sondern immer nur geflickt werden, weil die Ersatzteile unter das Embargo fallen." Noch in den 80er reisten Menschen in den Irak, wenn sie eine gute medizinische Behandlung haben wollten. Heute hat das Land eine so hohe Kindersterblichkeit, dass es einer Unicef-Studie aus dem Jahre 2000 zufolge unter 188 Ländern den letzten Platz belegt. Die Bevölkerung, so hat von Sponeck beobachtet, ist physisch und psychisch am Ende. Und sie ist doppelt gestraft: "Erstens durch den Diktator Saddam Hussein und zweitens durch die Sanktionen. Diese sind die Hauptursache für die menschliche Tragödie." Greenpeace und von Sponeck sind sich einig, dass Umweltschutz ein Menschenrecht ist und dass ein neuer Krieg die Menschen im Irak doppelt treffen würde. Er würde viele Menschenleben fordern und das ganze fragile Versorgungs- und Ökosystem zusammenbrechen lassen. Schon jetzt sind zum Beispiel Nahrungsmittel knapp und ist die Abwassersituation katastrophal. Im Falle eines Krieges könnten keine Lebensmittel mehr verteilt und die Abwässer nicht mehr geklärt werden. Epidemien und Hungersnot wären die Folgen. Greenpeace-Sprecher Wolfgang Lohbeck wies bei dem gemeinsamen Pressegespräch in der Hamburger Zentrale der Umweltschutzorganisation darauf hin, dass der drohende Militärschlag nicht irgendein Krieg sei. "Mit ihm soll das Völkerrecht absichtlich strategisch gebrochen werden." Greenpeace wendet sich weltweit gegen den drohenden Krieg im Irak und kehrt damit gleichzeitig auch zu den eigenen Anfängen zurück, den Protesten gegen Atomtests und Aufrüstung.



     
      URL: http://www.greenpeace.de
    12.03.2003
    14 : 03


     
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