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    OEKO-TEST berät: Was tun gegen Kopfläuse?

     

    Kopfläuse sind lästig und hartnäckig. Bislang ist man den Plagegeistern vor allem mit chemischen Insektengiften zu Leibe gerückt. Sie sind schnell wirksam, schaden aber den Kindern. Dabei gibt es auch sanfte Möglichkeiten. Zwei bis drei Millimeter sind sie nur groß, doch ihre Bisse jucken teuflisch. Sie vermehren sich schnell und suchen sich dann neue Opfer. Kindergärten und Schulen werden in schöner Regelmäßigkeit von den Plagegeistern heimgesucht: Kopfläuse sind auch heute keine Seltenheit. Sie sind aber keine Frage der Hygiene: Auch auf einem Kopf, der täglich gewaschen wird, fühlen sich die Blutsauger wohl. Wenn sich die Kinder verstärkt am Kopf kratzen, läuten bei Erzieherinnen und Eltern die Alarmglocken. Jetzt muss der Haarschopf gründlich nach den lästigen Krabbeltierchen abgesucht werden. Die Läuse selbst sind braun bis rötlich und krallen sich an einzelnen Haaren fest - am liebsten im Nacken, im Ohren- und Schläfenbereich. Ihre Eier heften sie mit Hilfe einer Kittsubstanz in die Haare dicht an der Kopfhaut. Dort hängen die Nissen wie Perlen an einer Schnur und lassen sich auch durch eine einfache Haarwäsche nicht entfernen. Alle drei Stunden bekommt die Laus Hunger. Dann sticht sie in die Kopfhaut und saugt Blut. Ihr Speichel verursacht den unerträglichen Juckreiz. Leichtes Spiel haben die Tierchen, wenn Jacken und Mützen dicht an dicht hängen oder Köpfe beim Spielen und Toben zusammengesteckt werden – in Schulen eben oder Kindergärten. Sie verbreiten sich aber auch durch gemeinsam genutzte Handtücher oder Haarbürsten, in Zügen und Bussen. Um die lästigen Läuse schnell wieder loszuwerden und eine Ausbreitung zu verhindern, empfehlen Ärzte, Gesundheitsämter und Apotheker in der Regel harte Chemikalien: Die üblichen, rezeptfreien Medikamente enthalten Gifte, die auch in der Landwirtschaft gegen Schädlinge gespritzt werden. Trotzdem scheint der Kampf Mensch gegen Laus noch lange nicht gewonnen: Das kritische arznei-telegramm meldete Anfang des Jahres, dass die Parasiten immer häufiger gegen die Mittel resistent sind. Auch Godehard Hoffmann, Experte für Schädlingsbekämpfung beim Umweltbundesamt, kennt diese Entwicklung: »Aus anderen Ländern sind schon deutliche Resistenzen bekannt. Teilweise wäre die zehnfache Dosis nötig, um die Läuse zu töten.« In Zukunft, so glaubt Hoffmann, werden sich deshalb sanftere Alternativen durchsetzen. Sie haben allerdings zum einen den Nachteil, dass es keine klinischen, statistisch abgesicherten Studien zur Wirksamkeit gibt, wie sie der Gesetzgeber für Arzneimittel vorschreibt. Solche Untersuchungen sind langwierig und teuer - was sich die Firmen nicht leisten wollen oder können. Deshalb werden diese Mittel in Apotheken als »Medizinprodukt« bzw. »normales« Shampoo verkauft. Zum anderen muss man sie sehr konsequent anwenden. Das heißt: Je nach Produkt mehrmals am Tag, mehrere Tage hintereinander. »Wenn man das durchhält, wird man die Läuse aber los«, weiß Dr. Franz-Josef Knust, Leitender Arzt für Kinder- und Jugendmedizin am Evangelischen Krankenhaus Bethanien in Iserlohn. Er hat gute Erfahrungen mit dem Neem-Extrakt FT-Shampoo von der Lahnauer Firma Trifolio gemacht, die das Mittel selbst vertreibt. Es enthält unter anderem vier Prozent Neem-Wirkstoff - eine Substanz aus dem tropischen Neem-Strauch. Zusätzlich lässt er seine Patienten die Haare täglich mit zweiprozentigem Essigwasser spülen. »Dann hat die Therapie 95- bis 100-prozentigen Erfolg.« Das Mosquito Spezial Läuse-Shampoo der Firma Wepa dagegen ist eine Kombination aus Sojaöl und einer waschaktiven Substanz auf der Basis von Kokosöl. »Es greift den Panzer der Laus an und trocknet sie aus«, erklärt Produktmanager Manfred Horn. Und das Aesculo Gel der Firma Engelhard Arzneimittel rückt den Läusen mit Kokosöl zu Leibe. Es umhüllt die Lästlinge und sie ersticken - wie firmeneigene Studien belegen. Zum anderen löse das Öl die Kittsubstanz der Nissen, die sich dadurch besser auskämmen lassen. »Richtig angewendet wird man damit die Läuse los«, bestätigt Arbeitsmedizinerin Dr. Dorothea Köster aus Reutlingen - allerdings dauert das einige Tage. Es genügt jedoch nicht, die Tierchen nur auf dem Kopf zu bekämpfen. »Gerade die begleitenden Maßnahmen sind besonders entscheidend«, weiß Dr. Köster aus Erfahrung. Das heißt: Wenn das Kind unter den Blutsaugern leidet, müssen Mützen, Schals, Handtücher, Bettwäsche, ja sogar die Kuscheltiere gewaschen werden. Denn im Plüsch hat so manche Laus schon überlebt und nach kurzer Zeit ging die ganze Juckerei wieder von vorne los. In Apotheken werden zum einen rezeptpflichtige Läusemittel angeboten - von denen man aber ausdrücklich abraten muss. Das Jacutin-Gel und das Quellada H Shampoo enthalten Lindan als Wirkstoff. Dieses Spritzgift schädigt die Nerven und kann bei Kindern zu Krampfanfällen führen. Doch leider sind auch die freiverkäuflichen Läusemittel nicht besser, wie unsere Laboranalyse zeigt. Uneingeschränkt empfehlen können wir kein Produkt. Das steckt in den Läusemitteln Die üblichen freiverkäuflichen Läusemittel Goldgeist forte und Jacutin N-Spray enthalten natürliches Pyrethrum aus Chrysanthemen oder die künstlich nachgebauten Pyrethroide sowie den Wirkungsverstärker Piperonylbutoxid. Pyrethrum und Pyrethroide werden in der Landwirtschaft auch als Spritzgifte gegen Schädlinge eingesetzt. Sie können zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und Schwindel führen. Außerdem kann es zu allergischen Reaktionen der Kopfhaut kommen. Goldgeist forte enthält darüber hinaus Chlorkresol. Dieser Stoff erhöht das Risiko einer allergischen Hautreaktion. Jacutin N-Spray kann bei Allergikern und Asthmatikern zu akuten Asthmaanfällen führen. Auch gesunden Personen kann die unkontrollierte Vernebelung des Insektizids durch das Spray zu schaffen machen, weil das Gift am stärksten über die Lunge in den Körper aufgenommen wird. Nervenschädigungen, die sich als Kopfschmerzen, Zittrigkeit und Unruhe auswirken, können die Folgen sein. Nach Meinung unseres wissenschaftlichen Beraters, dem Arzneimittelexperten Professor Dr. Gerd Glaeske, sollte das Spray wegen dieser Nebenwirkungen vom Markt genommen werden. Das Läusemittel Infecto Pedicul enthält als Wirkstoff das Pyrethroid Permethrin. Dieser Stoff war in der DDR zur Bekämpfung von Läusen üblich. Permethrin ist sehr wirksam, hat aber eine längere Einwirkzeit. Das Mittel soll 30 Minuten im Haar verbleiben. Dadurch sind nach Ansicht unseres Beraters Dr. Glaeske auch stärkere Nebenwirkungen zu befürchten. Zudem weiß man, dass es inzwischen lästige Sauger gibt, die gegen Permethrin resistent sind. In vier Produkten stecken unerwünschte PEG/PEG-Derivate, die Schadstoffe in die Haut einschleusen können. Im Aesculo Gel »L« sowie im Mosquito Spezial Läuse-Shampoo fand das Labor zudem bedenkliche künstliche Moschus-Duftstoffe. Probieren geht über studieren Von Mittel, die Pyrethroide oder natürliches Pyrethrum und den Wirkungsverstärker Piperonylbutoxid enthalten, ist abzuraten. Außerdem gilt: Die Läuse sitzen nur auf dem Kopf. Die Kinder sollten daher niemals in den Mitteln baden. Ein Kurzhaarschnitt ist gegen Läuse durchaus wirkungsvoll - wenn das Kind die Prozedur zulässt. So sind die Läuse und Nissen besser zu erkennen und man kommt mit dem Nissenkamm leichter durch. Der Nissenkamm alleine kann Läuseeier nicht entfernen. Damit wird immer nur ein Teil der Läuseeier zerquetscht bzw. entfernt. Der Kamm ist aber eine wichtige Hilfe und für das Entfernen der Nissen unentbehrlich. Essig tötet die Läuse nicht, erleichtert aber das Auskämmen der Nissen. Die zweiprozentige Essiglösung (vier Teelöffel Essigessenz auf ein Liter Wasser) sollte eine Stunde lang auf der Kopfhaut einwirken. Den Kopf dabei mit einem Handtuch umhüllen. Acht Tage lang täglich wiederholen. Bei Temperaturen über 44 Grad gehen Läuse kaputt. Die Behandlung mit Heißluft unter einer Trockenhaube ist aber nichts für kleinere Kinder. Ältere Kinder setzen am besten eine Duschhaube auf, damit die Läuse nicht flüchten. Nach etwa einer Dreiviertelstunde sind die Läuse tot. Die Temperatur sollte genau einzustellen sein, denn ab 52 Grad kann es zu Hautschäden kommen. Eine Vorbehandlung z.B. mit Essiglösung ist zu empfehlen, da die Läuse durch die Hitze eine enorme Beißlust entwickeln. Ein Besuch in der Sauna tötet die Läuse nicht, da die Tierchen in Körperregionen mit hoher Schweißproduktion flüchten. Dort ist es dann so kühl, dass sie überleben können. Um eine erneute Ausbreitung zu verhindern, müssen Mützen, Schals, Handtücher, Bettüberzüge, Kissen, Kämme und Plüschtiere entweder bei 60 Grad mindestens 10 Minuten gewaschen werden. Oder man steckt die Teile in einen Plastiksack und lässt ihn bei mindestens minus 15 Grad einen Tag in der Tiefkühltruhe. Sachen, die länger nicht gebraucht werden, kann man vier Wochen lang in einen gut verschließbaren Plastiksack stecken. Dann sind die Läuse und die später noch schlüpfenden Larven verhungert.



     
      URL: http://www.oekotest.de/
    24.04.2000
    12 : 59


     
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