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Kleine Kinder strampeln häufig nachts ihre Bettdecke weg. Mit Schlafsäcken bleiben sie dagegen rundum warm. Wir sagen Ihnen, welche Produkte ohne Schadstoffe auskommen.
Jede Nacht dasselbe Bild: Wenn Beate Lösch vor dem Schlafengehen noch einmal nach ihrer Tochter Pauline schaute, lag die Kleine freigestrampelt in ihrem Bettchen. Die Bettdecke lag am hinteren Ende, Beine und Füße des Kindes waren kalt. Mit ihren sechs Monaten war Pauline noch zu klein, um sich selbst wieder zuzudecken. So wachte sie auf, wenn sie fror, und weinte - manchmal mehrmals in der Nacht. Beate Lösch überlegte nicht lange und kaufte einen Schlafsack für Pauline. Mit einem Reißverschluss vorne, einem Kopf- und zwei Armlöchern ist er so aufgebaut, dass das Kind den Sack nicht wegstrampeln, aber auch nicht hineinrutschen kann.
Was Eltern meist ganz praktisch sehen, wird von einigen Anbietern geradezu lyrisch angepriesen: »Wenn das Kind die schützende Höhle des Mutterleibes verlassen hat, müssen wir ihm eine neue Hülle geben«, heißt es in einem Versand-Katalog. »Mit einem Schlafsäckchen schenken Sie Ihrem Kind ein kuschelig-warmes Nestchen, ein Häuschen, in dem es sich geborgen fühlt.«
Auch die Gesellschaft zur Erforschung des plötzlichen Säuglingstods (GEPS) empfiehlt Schlafsäcke statt Bettdecken: Zu groß ist die Gefahr, dass das Baby im Laufe der Nacht unter die Decke gerät, dort zu warm liegt, die verbrauchte Luft wieder einatmet und zu wenig Sauerstoff bekommt.
Baby-Schlafsäcke gibt es für jede Wetterlage: mit Frotteefutter, Baumwoll- oder Wollplüsch, mit Lammflor oder sogar mit Daunen. Baumwolle eignet sich gut für wärmere Nächte. Bei Babys, die stark schwitzen, empfiehlt sich dagegen Wollplüsch: Denn Wolle nimmt mehr Feuchtigkeit auf als Baumwolle und wird nicht klamm. Allerdings lassen sich Baumwoll-Schlafsäcke einfacher waschen.
Jedes Kind bleibt seinem Sack unterschiedlich lange treu. Die kleine Pauline mochte den ihren lange nicht missen. Als sie in den Kindergarten kam, blieb der Mutter nichts anderes übrig, als selbst einen zu nähen: Denn die größten Säcke sind nur um die 130 Zentimeter lang. Meist aber gewöhnen sich die Kinder mit zwei Jahren problemlos an die Bettdecke. Dann sind sie auch alt genug, sich selbst wieder zuzudecken, wenn das Oberbett verrutscht. Wir haben 19 Baby- und Kinder-Schlafsäcke genau unter die Lupe genommen. Nur acht Säcke können wir uneingeschränkt empfehlen. Sie stammen aus allen Preisklassen und kosten zwischen 20 und 200 Mark.
Diese Knüppel steckten in den Säcken
In sechs Säcken stecken zinnorganische Verbindungen. Eine dieser Substanzen, Tributylzinn (TBT), ist Anfang des Jahres ins Gerede gekommen, als sie in Sportler-Fan-Trikots nachgewiesen wurde. Zinnorganische Verbindungen sind äußerst giftig und können über die Haut in den Körper gelangen. Sie stehen im Verdacht, schon in sehr geringen Mengen das Immun- und Hormonsystem des Menschen zu beeinträchtigen. Wie diese Substanzen in Textilien gelangen, ist unklar.
In 12 Produkten fanden wir geringe Mengen phosphororganischer Verbindungen, die in der Textilindustrie normalerweise als Flammschutzmittel eingesetzt werden. Dafür reichen die Mengen in den Schlafsäcken allerdings nicht. Die Stoffe sind generell unerwünscht in Kindertextilien, da sie häufig nervengiftig sind.
Weißer aussehen, als sie eigentlich sind, sollten sechs Schlafsäcke. Die optischen Aufheller belasten aber nur unnötig die Umwelt.
Im Alvi Kinder-Schlafsack steckt Formaldehyd. Dieser krebsverdächtige und Allergien auslösende Stoff wird häufig in Textilien verwendet, damit sie zum Beispiel nicht knittern. In Baby-Textilien hat er nichts verloren.
Zwei Säcke enthielten ungesunde halogenorganische Verbindungen. Sie stammen vermutlich aus Farben oder aus Hilfsstoffen, mit denen die Farbe auf den Stoff gebracht wird.
Im Baby-Club Baby-Schlafsack Molton von C & A fanden wir mehr als ein Milligramm Antimon pro Kilogramm. Es stammt vermutlich aus der Kunstfaser Polyester. Viele Antimonverbindungen sind ähnlich giftig wie Arsen.
Die richtige Größe
Ein Schlafsack ist für Kinder bis zu zwei Jahren sicherer als eine Bettdecke - er muss aber die richtige Größe haben. Ein zu langer Sack ist möglicherweise auch zu breit, das Kind könnte hineinrutschen und doch wieder Gefahr laufen, zu wenig Luft zu bekommen. Zu viel Platz an den Füßen führt zudem zu Wärmeverlust. Als Faustregel gilt daher: Körpergröße plus zehn Zentimeter Spielraum zum Wachsen.
Die kleinsten Baby-Schlafsäcke sind ungefähr 70 Zentimeter lang – denn auch Neugeborene können schon hinein. Sie schlafen aber normalerweise ruhig, deshalb reicht auch eine Decke. Außerdem sind sie ohnehin alle vier Stunden wach und stehen somit unter ständiger »Kontrolle«. Der Schlafsack wird aber wichtig, wenn die Kleinen anfangen, die Decke wegzustrampeln. Manche Kinder fangen damit schon nach wenigen Wochen an, andere erst mit fünf Monaten.
Wenn der Nachwuchs nicht in einen Schlafsack will, empfiehlt es sich, die Decke entweder mit Bändern am Fußende festzubinden oder sie unter das Ende der Matratze zu stecken. So kann sich das Kind nicht die Decke über den Kopf ziehen.
Was tun?
Leider können Sie es einem Sack nicht ansehen, ob er mit bedenklichen Farben oder Chemikalien behandelt ist. Wenn Sie ihn vor Gebrauch waschen, verringert sich aber die Belastung.
Damit das Kind nicht zu kühl und nicht zu warm schläft, zieht man ihm am besten einen Body über die Windel, dann einen langärmeligen Schlafstrampler drüber und steckt es so in den Sack.
Baby-Schlafsäcke dürfen in der Regel nicht in den Trockner, weil sie aus verschiedenen Materialien bestehen: Die verhalten sich unterschiedlich, so dass sich der Sack verzieht. Ein Sack mit Daunenfüllung dagegen muss in den Trockner.
Mitwachsende, verstellbare Säcke werden kaum angeboten. Geld lässt sich aber mit gebrauchten Kindersachen sparen, die häufig auf Flohmärkten von Stillgruppen oder Kirchengemeinden in guter Qualität angeboten werden.
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