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Strampelanzüge berühren Babys Haut tagein, tagaus. Umso wichtiger ist es, dass diese Textilien schadstofffrei sind. Leider trifft das nicht auf alle von uns untersuchten Strampler zu.
Alles sehr schön bunt hier. Kleine Hemden, Overalls und Hosen in Grün, Gelb und Rot ergeben ein farbenfrohes Durcheinander. Auf dem Wühltisch und auf den Kleiderstangen der Baby-Abteilung im Frankfurter Kaufhof findet sich etwas für jeden Geschmack: ein sonnengelber Strampler mit einem aufgedruckten quietschgrünen Frosch, ein blau-rot-gelb-geringeltes Latzhöschen von Schiesser und ein knallroter Schlafanzug mit »Willy, the mouse« vorne drauf.
Nicht alle diese hübschen Farben können allerdings für die Eltern Anlass zur Freude sein. Denn in den vergangenen Jahren hat ÖKO-TEST immer wieder problematische Farbstoffe in Textilien wie Kinderschlafanzügen, Babyschlafsäcken oder Unterwäsche entdeckt. Einige der Problem-Farben, so genannte Dispersionsfarbstoffe, lösen häufig Kontaktallergien aus. Andere können Krebs erregende Substanzen, so genannte aromatische Amine, abspalten.
Die Quelle dieser aromatischen Amine sind Azofarben. Diese Farbstoffe sind vergleichsweise billig, erzeugen brillante Farbergebnisse und machen deshalb den Löwenanteil aller für Textilien verwendeten Farben aus. Gelangen sie über die Haut in den Körper, können die Azofarben aufgespalten werden und Amine bilden. Das ist nicht immer schlimm. Spaltprodukte bestimmter Farben jedoch sind gefährlich: Stoffe wie etwa Benzidin oder 2-Naphthylamin können beim Menschen Krebs erzeugen. Deshalb verbietet die so genannte Bedarfsgegenständeverordnung seit 1996, dass in Deutschland Textilien mit den betroffenen Azofarben gefärbt werden oder hiesige Firmen so gefärbte Textilien importieren. Inzwischen ist endlich auch der Abverkauf von Lagerbeständen verboten.
ÖKO-TEST wollte wissen, ob das Verbot auch eingehalten wird, und hat in 18 Baby-Stramplern nach ungesunden Farben und anderen Problemstoffen suchen lassen.
Die gute Nachricht: Keiner der Strampler enthielt verbotene Azofarben. Auch Allergien auslösende Dispersionsfarbstoffe wurden in den Textilien nicht nachgewiesen. Die schlechte Nachricht: Wir fanden andere bedenkliche Stoffe, die in Baby-Kleidung ebenfalls nichts verloren haben, weil auch sie die Kinderhaut unnötig belasten. Immerhin sechs Produkte sind rundum »empfehlenswert«.
Das steckt in der Babykleidung
In sechs Stramplern stecken zinnorganische Verbindungen. Eine dieser Substanzen, Tributylzinn (TBT), ist Anfang des Jahres ins Gerede gekommen, weil sie in Sportler-Fan-Trikots nachgewiesen wurde. Zinnorganische Verbindungen sind äußerst giftig und können über die Haut in den Körper gelangen. Sie stehen im Verdacht, schon in sehr geringen Mengen das Immun- und Hormonsystem des Menschen zu beeinträchtigen. Wie diese Substanzen in Textilien gelangen, ist unklar.
In drei Stramplern fanden wir geringe Mengen phosphororganischer Verbindungen, die in der Textilindustrie normalerweise als Flammschutzmittel eingesetzt werden. Dafür reichen die Mengen in den Stramplern allerdings nicht. Die Stoffe sind generell unerwünscht in Kindertextilien, da sie häufig nervengiftig sind.
Formaldehyd war nur noch im Baumwoll-Strampler von Schnitzler zu finden. Die Chemikalie ist Bestandteil von Kunstharzen, die bei Baumwolle das Knittern und Einlaufen verhindern sollen. Sie reizt die Schleimhäute und löst häufig Allergien aus.
In drei Stramplern stecken ungesunde halogenorganische Verbindungen. In diese Stoffgruppe fallen viele Allergieauslöser oder Substanzen, die schwer in der Umwelt abbaubar sind. Vermutlich stammen sie aus Farben oder Hilfsstoffen, mit denen die Farbstoffe auf die Faser gebracht werden.
Optische Aufheller, die wir in sieben Produkten nachweisen konnten, lassen die Stoffe weißer aussehen, als sie sind. Da die Weißmacher in Baumwolltextilien nicht fest in der Faser eingelagert sind, gelangen sie mit dem Schweiß auf die Haut. Das kann zu Problemen führen: Professor Otto Hornstein von der Dermatologischen Universitätsklinik Erlangen wies in einem Fachbeitrag darauf hin, dass es Fälle von »fotosensibilisierenden« Hautreaktionen auf bestimmte optische Aufheller gibt. Die Weißmacher können also bei gleichzeitiger Sonnenbestrahlung Allergien hervorrufen. Ein weiterer Nachteil der Substanzen für die Umwelt besteht darin, dass sie in Kläranlagen kaum abgebaut werden.
So kann´s gehen
Wo, um Himmels willen, ist nur der fünfte Finger geblieben? Bevor Babys Hand in dem langen Ärmel des Hemdes verschwand, waren noch alle fünf zu sehen. Jetzt quält sich die Hand zwar langsam wieder aus dem Dunkel hervor - doch unvollständig. Nur mühsam lässt sich das abgespreizte Fingerchen in dem Baumwollgewirke auffinden und aus dem Ärmel herausnesteln - unter lautem Geschrei. Einfacher ist es, die Ärmel möglichst weit aufzukrempeln, mit den eigenen Fingern Babys gesamte Hand zu umfassen und durch den Ärmel zu ziehen. Dann die Beinchen. Was tun, wenn der oder die Kleine sich trotzig steif macht wie ein Brett und gar nicht dran denkt, die Beine in den Strampler zu stecken? Ruhig bleiben, Wade sanft umfassen, beruhigend reden und dabei den Strampler anziehen. Klingt zugegebenermaßen einfacher, als es manchmal ist.
Was tun?
Einem Kleidungsstück kann man nicht ansehen, ob es mit problematischen Stoffen behandelt wurde oder nicht. Auch der Preis ist kein Hinweis auf Qualität. Einen Trost gibt es aber: Schadstoffe, die sich mit dem Schweiß leicht aus dem Textil lösen, sind auch leicht auswaschbar. Das gilt auch für problematische Azofarben. Je häufiger das Textil also gewaschen ist, desto weniger Schadstoffe können auf die Haut gelangen - ein Vorteil auch von Second-handtextilien.
Strampler, die man laut Etikett »separat waschen« muss, lässt man am besten im Regal liegen. Denn der Hinweis bedeutet, dass überschüssige, möglicherweise gesundheitsschädliche Farbe leicht ausblutet.
Für Textilien, die direkt auf Babys Haut liegen, empfehlen sich ungefärbte Teile - am besten aus Naturmaterialien ohne Beimischung von Kunstfasern.
Praktisch sind Strampler, die es möglich machen, das Baby zu wickeln, ohne es gleich ganz ausziehen zu müssen. So gibt es zum Beispiel Anzüge mit Druckknöpfen entlang der Beinnähte oder welche, die quer zum Rücken eine Leiste zum Aufknöpfen bieten. Den gleichen Vorteil haben auch zweiteilige Anzüge.
Welches Siegel garantiert Güte?
Gerade bei Babykleidung stößt man häufig auf Textilsiegel, die giftfreie Kleidung garantieren sollen. Am verbreitetsten ist das Label Öko-Tex-Standard 100. Die Anforderungen sind allerdings nicht besonders hoch, so dass die ausgezeichneten Textilien nur wenig mehr Sicherheit bieten als nicht zertifizierte Kleidung. Vertrauenswürdige Siegel mit strengen Maßstäben werden vom Internationalen Verband der Naturtextilhersteller (IVN) vergeben. Die beiden Markenzeichen heißen »Better« (orange Kugel umgeben von einem gleichfarbigen oben offenem Kreis) und »Best« (blaue Kugel umgeben von einem gleichfarbigen oben offenem Kreis).
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