| |
Bremen, 21.04.05: Die Umweltschutzorganisation WWF kürt heute wegweisende Erfindungen im Bereich Fischereigerät, die unbeabsichtigten Beifang von Meeresschildkröten, Meeressäugern, untermaßigen Fischen und anderen Nicht-Zielarten reduzieren. Den Hauptgewinn in Höhe von 25.000 US-Dollar erhielt ein Erfinder aus den USA, der Langleinen mit Stahlgewichten beschwert hat, um die Köder in Tiefen unterhalb von hundert Metern zu drücken, in denen deutlich weniger Meeresschildkröten unterwegs sind als in oberflächennäheren Gewässern. Auf diese Weise ist es dem Biologielehrer, Fischer, Taucher und Bootsführer Steve Beverly aus Neukaledonien gelungen, deutlich weniger Meeresschildkröten mit zu fischen.
„Diese Ansätze tragen dazu bei, unsere lebendigen Meereslebensräume langfristig zu schützen und zu erhalten“, kommentiert WWF-Fischereireferentin Stefanie Schmidt die schlauen Netze. „Ideen und Weiterentwicklungen wie diese sind dringend notwendig, um die Ziele einer bestandserhaltenden Fischerei zu erreichen und den Beifang beispielsweise von Walen, Delfinen und Schildkröten zu reduzieren.“
Eine innovative Kombination aus leuchtenden Seilen und steiferen Netzen gewann als Gemeinschaftswerk eines interdisziplinären Teams aus Kanada und den USA den zweiten Preis. Der Chemiker Norm Holy, der Fischereibiologe Ed Trippel und der Fischer Don King machten sich dabei die Leuchteigenschaft von Phosphor zunutze, um Wale und Delfine im Umkreis von 18 Metern vor den Netzen zu warnen. Sollte sich dennoch ein Meeressäuger in den Stellnetzen verfangen, hat dieser aufgrund der Steifigkeit des Netzes eine größere Chance, sich daraus zu befreien als bei den herkömmlichen Varianten. „Diese Zusammenarbeit ist ein gutes Beispiel dafür, dass kombiniertes Fachwissen aus Theorie und Praxis die besten Ergebnisse zeitigt“ freut sich Stefanie Schmidt.
Eine Gruppe von Wissenschaftlern des indischen „Central Institute of Fisheries Technology“ gewann mit einem selektiven Netz, das mit Hilfe eines im 45-Grad-Winkel integrierten Metallgitters und unterschiedlichen Maschenweiten den Jungfischen und Jungshrimps die Flucht aus dem Fanggerät erlaubt, den dritten Preis. Dr. M.R. Boopendranath, Dr. P. Pravin, T.R. Gibinkumar und S. Sabu tragen damit zur Lösung eines der drängendsten Probleme der indischen Shrimpsfischerei bei.
Nach Untersuchungen der Duke Universität (USA) werden weltweit durch die kommerzielle Langleinen-Fischerei jedes Jahr 200.000 Exemplare der Unechten Karettschildkröte und 50.000 Lederschildkröten unbeabsichtigt mit gefangen und meist getötet. Mehr als 300.000 Wale und Delfine erleiden dasselbe Schicksal. Dadurch ist das Überleben dieser Arten massiv bedroht. Der Beifang von untermäßigen Fischen ist zudem eines der größten Probleme im Bestandsmanagement der weltweiten Fischerei.
|
|
|