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Dritter Wahlsieg in Folge für britischen Premier Blair
Erstmals in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte hat die britische Labour-Partei von Premierminister Tony Blair drei Wahlsiege in Folge errungen. "Zum dritten Mal gewählt zu werden, ist fantastisch", sagte Blair nach der Parlamentswahl. "Ich bin sehr stolz." Der Tag sei "historisch". Wegen der deutlichen Verluste kündigte er eine Politik an, die stärker auf den Willen der Menschen eingehen soll.
06.05.2005
"Wir müssen den Menschen zuhören und weise und vernünftig antworten", sagte Blair vor Anhängern seiner Labour-Partei. "Aber die Menschen haben es sehr klar gemacht, sie wollen mit uns weitermachen." Die Labour-Verluste dürften unter anderem auf seine Unterstützung des Irak-Kriegs zurückzuführen sein, die er gegen den Willen der Mehrheit der britischen Bevölkerung durchsetzte.
Mehrheit mit Einbußen
Nach der Auszählung von 615 der 645 Wahlbezirke lag die Labour-Partei am Freitagmorgen bei 352 Sitzen im Unterhaus. Die konservativen Tories kamen auf 192 Sitze, die Liberaldemokraten auf 59 Sitze. Schon am frühen Morgen hatte die Labour-Partei die für die absolute Mehrheit erforderliche Hürde von 324 der insgesamt 646 Sitze errungen. Prognosen sahen für Labour einen Vorsprung von maximal 80 Sitzen voraus. Damit würde Blairs Partei weit hinter der Mehrheit von 167 Stimmen in der vergangenen Legislaturperiode zurückbleiben.
In London verlor Labour einen Wahlkreis an George Galloway, der vor zwei Jahren wegen seiner harschen Kritik am Irakkrieg aus der Partei ausgeschlossen worden war. Galloway, der jetzt für seine eigene Partei ins Unterhaus einziehen wird, wandte sich in seiner Siegesrede an Blair: "Das Beste, was die Labour-Partei tun kann, ist, Sie morgen früh abzusetzen!"
Außenminister Jack Straw sagte, es sei kein Wunder, dass die Regierung nicht mehr ganz so gut abschneide wie vor acht oder vier Jahren. Dabei spiele auch der Irakkrieg eine Rolle. Straws Vorgänger Robin Cook, einer der schärfsten Kritiker der Irakpolitik, rief die Partei zu Selbstprüfung und Bescheidenheit auf: "Es ist klar, dass sich hier der Krieg ausgewirkt hat."
In Muslim-Gebieten ist Labour schlecht
Die ehemalige Entwicklungsministerin Clare Short, die aus Protest gegen den Irakkrieg zurückgetreten war, sagte: "Eine kleinere Mehrheit könnte gut für unsere Regierung sein."
Der Vater eines im Irak umgekommenen Soldaten holte in Blairs Wahlkreis zehn Prozent der Stimmen und sagte anschließend, er hoffe, dass Blair seinen Fehler irgendwann einsehe. Nach Fernsehberichten schnitt Labour in Gebieten mit einem hohen Anteil an muslimischen Wählern auffallend schlecht ab.
Konservative gratulieren
Der konservative Spitzenkandidat Michael Howard (63) gratulierte Blair und bot ihm an, mit ihm zusammenzuarbeiten. Der ehemalige konservative Verteidigungsminister Michael Portillo widersprach Parteifreunden, die die Wahl wegen der Labour-Einbußen als Schlappe für Blair interpretierten: "Das ist ein erstaunliches Ergebnis für Labour", sagte Portillo. "Das macht aus Tony Blair insgesamt einen größeren Sieger als Margaret Thatcher."
Alle Umfragen hatten bereits einen Blair-Sieg vorausgesagt. Zwar zeigten sie auch, dass die meisten Briten ihm seit dem Krieg nicht mehr trauen, doch war der Irak für die Wähler nicht das entscheidende Thema. Die Verbesserung des Gesundheitswesens kam immer an erster Stelle, gefolgt von Steuerpolitik, Ausländerzuzug und Kriminalität. Nach Erkenntnissen der Meinungsforscher profitierte Labour auch von der guten Wirtschaftslage.
Blairs schöner Geburtstag
Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder gratulierte Blair zu dessen Wahlsieg. "Ich denke, mit deinem Wahlsieg hast du dir selbst das größte Geburtstagsgeschenk gemacht", schrieb Schröder in einem Glückwunschschreiben. Er spielte damit auf Blairs 52. Geburtstag an diesem Freitag an. Großbritannien werde in diesem Jahr mit der EU- und G8-Präsidentschaft große Verantwortung übernehmen. Dafür wünschte Schröder Blair viel Erfolg. "Auf meine Unterstützung darfst du zählen."
Blair ist seit 1997 im Amt. Er hat gesagt, dass er am Ende der nächsten Legislaturperiode zurücktreten will. Das wäre in etwa vier bis fünf Jahren - den genauen Wahltermin kann die Regierung selbst festlegen. In der britischen Presse herrscht aber die Meinung vor, dass Blair schon wesentlich eher gehen wird. Es wird allgemein erwartet, dass Finanzminister Brown dann sein Nachfolger wird.
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