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Pullach: Heißer als erwartet
In der Gemeinde Pullach bei München entsteht derzeit ein Geothermisches Heizwerk. Nachdem Ende April die zweite Bohrung erfolgreich abgeschlossen werden konnte, ergaben erste Tests: Das Pullacher Thermalwasser wird mit 120 °C heißer als erwartet.
Ende Februar 2005 wurden in Pullach bei München die Arbeiten für die zweite Bohrung der geothermischen Dublette aufgenommen. Nach nur 43 Bohrtagen hatte man Anfang des selben Monats nach Erreichen der Endteufe von rund 3300 m, die Arbeiten an der ersten Bohrung abschließen können. Erschlossen wurde 111 °C heißes Wasser. Die von der ITAG aus Celle durchgeführten Arbeiten hatten am 04.12.04 begonnen. 42 Tage später war die vorgesehene Tiefe von ca. 3300 m erreicht. Schon damals war das Ergebnis heißer ausgefallen: Erwartet hatte man Temperaturen von 90 °C, die Tests erbrachten dann mit 111 °C deutlich mehr. Das Loch Nummer zwei wurde in nur wenigen Metern Entfernung niedergebracht, im Untergrund abgelenkt, so dass in der Tiefe die Punkte für Wasserentnahme und Rückspeisung ca. 1.8 Kilometer auseinanderliegen. Am 24.04.05 wurde bei 4120 m auch die Endteufe der Bohrung Pullach-Thermal 2 erreicht. Diese Bohrung geht in den gleichen geologischen Horizont, ist wegen ihrer Ablenkung aber länger als die erste. Der erste Pumptest erbrachten mit einer Thermalwassertemperatur von 120 °C erneut überraschend positive Ergebnisse. Bei einer Schüttung von 50 l/s ergibt sich eine nutzbare geothermische Wärmeleistung von 10.5 MW, weitaus mehr als die für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung angesetzten 6.3 MW. Man entschied sich daher, Bohrung Nummer 2 als Förderbohrung zu nehmen. Injektionstets in der Pullach-Thermal 1 zeigten dann allerdings, dass diese weniger Wasser aufnimmt, als aus ihr gefördert werden könnte. Säuerungsmaßnahmen ergaben keine Verbesserung des Schluckvermögens. Nun wird überlegt, den Bohrturm noch einmal auf die erste Bohrung zurückzuversetzen, dann das Bohrloch entweder zu vertiefen oder abzulenken. Den weiteren Zeitplan des Gesamtvorhabens wird diese Maßnahme nicht beeinträchtigen. Das unerwartet heiße Wasser beschert den Pullachern weitere Ausbaumöglichkeiten des Fernwärmenetzes. Zudem können sie auf den Einbau einer Spitzenlastanlage für besonders kalte Tage verzichten.
Für den nächsten Schritt, den Bau der Energiezentrale, hat der Gemeinderat bereits einstimmig grünes Licht gegeben. Der Spatenstich erfolgt Ende Mai. Das Gebäude wird aus Gründen der Ortsplanung im wesentlichen unter die Erde gebaut. Oben ist nur ein kleines, 70m2 großes Geschoss vorgesehen. Auf dem Bohrplatz entsteht wieder eine Grünfläche. Das Fernwärmenetz soll kommunale Einrichtungen, Liegenschaften und Gebäude von Wohnungsgesellschaften versorgen. 14 Mio. Euro Investitionsmittel hat die zu diesem Zweck gegründete „Innovative Energie Pullach GmbH“ dafür eingeplant. Vorgesehen ist, das Netz bereits in der kommenden Heizperiode im Winter 2005/06 in Betrieb zu nehmen.
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