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    Die Kerntechnik bleibt ein Risiko

     

    Öko-Institut lehnt Comeback der Atomkraft ab / Jahrestagung in Freiburg über Energiepolitik der Zukunft Während Teile der Stromwirtschaft und der Politik bereits von einem Comeback der Atomkraft träumen, von Laufzeitverlängerungen der Reaktoren sowie einem Ausstieg aus dem Atomausstieg sprechen, hält das Öko-Institut diese Ideen für den falschen Weg. Das führende Umweltforschungsinstitut veranstaltet am heutigen Freitag, 3. Juni, seine Jahrestagung in Freiburg. Dort diskutieren die WissenschaftlerInnen aus den drei Instituts-Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin mit Referenten und rund 150 Teilnehmern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über die „Energiepolitik der Zukunft – und das nukleare Erbe“. Auch das Argument, der Klimaschutz sei nur durch Kernenergie zu erreichen, lehnen die Öko-Instituts-Wissenschaftler ab. „Kernkraftwerke eignen sich nicht als globale Klimaschützer. Eine solche Strategie käme dem Motto gleich, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben“, sagt Veit Bürger, Energieexperte am Öko-Institut. Stattdessen setzt das Institut auf eine Energiepolitik, die aus der Kernenergie aussteigt und zudem mittel- bis langfristig auf die fossilen Brennstoffe verzichtet. Risiko Kernenergie Die Mehrheit der Bevölkerung sieht in der Entsorgung und insbesondere in der Endlagerung der radioaktiven Abfälle das vordringlichste Problem der Kerntechnik. „Die viel größeren Risiken liegen aber im Betrieb der Anlagen“, sagt Michael Sailer, stellvertretender Geschäftsführer und langjähriger Nuklearexperte am Öko-Institut. Daran ändern auch neue Reaktorkonzepte wie der so genannte EPR (European Pressurized Water Reactor) nichts, denn diese sind nach Einschätzung des Öko-Instituts genauso wenig kernschmelzsicher wie bisherige Reaktoren. Ein weiterer Risikofaktor ist das zunehmende Alter der Anlagen, das es schwer macht, diese auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik zu halten. Wer also über längere Laufzeiten von Reaktoren nachdenkt, muss damit rechnen, dass sich die Risiken verstärken. Nicht zu vergessen der „Faktor Mensch“, der eben auch Fehler macht. Hinzu kommt die ständige Gefahr des Missbrauchs von kerntechnischem Material und Know-how für militärische oder terroristische Zwecke. Nachhaltige Energie- und Klimaschutzpolitik Mit dem Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls ist ein erster und wichtiger Schritt für den globalen Klimaschutz gemacht. Langfristig müssen die Industrienationen jedoch ihren Ausstoß an Treibhausgasen weitaus stärker verringern als sie es in Kyoto vereinbart haben. „Um die globale Erwärmung auf einen Wert unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 weltweit um etwa die Hälfte zurückgehen“, sagt Veit Bürger. Da insbesondere die Entwicklungsländer zunächst steigende Emissionen aufweisen werden, müssen die Industrienationen ihren Ausstoß in den nächsten 50 Jahren um rund 80 Prozent vermindern (bezogen auf das Ausgangsjahr 1990). Deutschland sollte in der EU weiterhin eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehmen und sich für ambitionierte europäische Reduktionsziele einsetzen. „Dabei darf es aber nicht bleiben“, sagt Veit Bürger. „Die internationale Klimaschutzgemeinschaft muss verhindern, dass sich die Entwicklungsländer bei der Entwicklung ihrer Strom-, Wärme und Verkehrssektoren überhaupt erst in eine Abhängigkeit von fossilen Energien begeben.“ Eine langfristige Klimaschutzstrategie ist auch für Deutschland unerlässlich. Dazu gehören: *eine Fortschreibung des Emissionshandels derart, dass die richtigen ökonomischen Signale für zukünftige Investitionen im Kraftwerkspark gesetzt werden, *eine Strategie zur Erhöhung der Energieeffizienz, insbesondere verstärkte Anstrengungen zur Erschließung der Energie-Einsparpotenziale im Gebäudebestand, *der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energiequellen auch im Bereich der Wärmeerzeugung, *die Eindämmung der Treibhausgasemissionen im Verkehrsbereich. Nebeneffekte einer klimaschutzorientierten Energiepolitik reichen von positiven Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt über eine sinkende Abhängigkeit vom Öl bis hin zur regionalen Wertschöpfung und internationalen Wettbewerbsfähigkeit neuer, zukunftsfähiger Industrien. Der Ausstieg aus der Atomenergie bietet nach Meinung des Öko-Instituts die Chance, in alternative Formen der Energieerzeugung einzusteigen. Es gilt, mit einer Energieeffizienz-Strategie und den erneuerbaren Energien ein innovatives, nachhaltiges Stromsystem aufzubauen.



     
      URL: http://www.oeko.de
    05.06.2005
    14 : 05


     
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