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Diabetes, Herz- und Kreislaufbeschwerden, Nierensteine, Rückenbeschwerden ...
80 Prozent der Diabetes-Fälle, die Hälfte aller Herz und Kreislauferkrankungen, Nierenstein, Fettstoffwechselstörungen, Gicht, Rückenbeschwerden, Gelenkschäden, Gallenblasenerkrankungen, Schlaganfall, verschiedene Krebserkrankungen und sogar Altersdemenz - Forscher haben hier einen schuldigen ausgemacht: "Zucker ist der Hauptfeind von Kindesbeinen bis ins hohe Alter", sagt Prof. Jürgen Scholze von der Berliner Charité. Damit meint er nicht nur Süßigkeiten.
In fast jedem Lebensmittel steckt Zucker - und der löst einen Teufelskreis aus: Wenn die Zuckermoleküle im Blut sind, schüttet der Körper zum einen das Glückshormon Serotonin aus: Man wird mit Zucker einfach glücklich. Zum anderen aber schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus, damit der Zucker aus dem Blut aufgenommen und in das Energiereservoir Fett umgewandelt.
Gleichzeitig verhindert der Körper so die Überzuckerung. Der hohe Insulinspiegel im Blut bei zu viel Zucker führt jedoch dazu, dass zu viel Zucker in Fett umgewandelt wird. Der Zuckerspiegel im Blut sinkt unter Normalniveau - man hat wiede Appetit. 13 Prozent der erwachsenen Deutschen sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stark übergewichtig - Tendenz steigend. Experten schlagen Alarm: In den Industriestaaten ist Fettsucht zum gravierenden Problem geworden, Schwellenländer wie Brasilien ziehen nach.
Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) warnte vor einer globalen Epidemie; sie beschloss 2004 einen Aktionsplan gegen zu viel Fett und Zucker im Essen. Die Amerikaner gelten dabei als dickstes Volk der Welt, ein Drittel der Bürger ist krankhaft fettleibig, ein weiteres Drittel übergewichtig, wie das US- Forschungsinstitut RTI herausfand.
In Deutschland könnte der Zug in die gleiche Richtung gehen: Gemessen am umstrittenen Body-Mass-Index sind bereits gut die Hälfte der Frauen und 65 Prozent der Männer mehr oder weniger zu dick. Lässt man die Tabak-Toten außer Acht, verursachen chronische Krankheiten, die durch falsches Essen mitbedingt werden, 68 Prozent der Todesfälle (Ernährungsbericht 2004). 71 Milliarden Euro werden für die Folgen solcher Krankheiten jährlich ausgegeben.
Besonders alarmierend ist nach Einschätzung von Ministerin Renate Künast das zunehmende Gewicht der Kinder, die ihre Zeit vor dem Computer statt mit Bewegung draußen verbringen. Die junge Generation werde die erste sein, deren Lebenserwartung unter die ihrer Eltern sinke, zitierte sie wiederholt eine britische Studie.
15 Prozent der Kinder seien bereits bei der Schuleinschreibung übergewichtig, sagte der Vorstandvorsitzende des Bundesverbands der Innungskrankenkassen (IKK), Rolf Stuppardt. Ein Drittel der Gesundheitsausgaben sei mittlerweile auf ernährungsbedingte Krankheiten zurückzuführen. Eine wesentliche Rolle bei der Fehlernährung von Kindern spielen laut Stiftung Warentest Lebensmittel, die speziell oder überwiegend für Kinder hergestellt werden. Dazu zählten Kindermolkereiprodukte, Müsliriegel und Tiefkühlpizzas.
Speziell für Kinder hergestellte Milchprodukte sind der Stiftung Warentest zufolge keine vernünftige Zwischenmahlzeit für den Nachwuchs. Sie enthielten nicht alle wichtigen Nährstoffe, dafür aber viel zu viele Kalorien, ergab die Untersuchung von 24 Molkereiprodukten für Kinder. Geprüft wurden sieben Joghurt- und zehn Frischkäseprodukte, sieben Desserts auf Milchbasis und ein Kinder- Pralinenprodukt.
Vor allem der üppige Fettgehalt von bis zu 13,4 Prozent mache die Snacks so kalorienhaltig. Bis auf eine Ausnahme seien alle Produkte zu fett gewesen. Gemessen an den vielen Kalorien sei der für den Knochenaufbau wichtige Kalziumgehalt zu niedrig. Zusätzlich fanden die Tester zwischen 13 und 25 Prozent Zucker, was eher einer Süßigkeit als einer gesunden Zwischenmahlzeit entspreche. Von zugesetzten Vitaminen und anderen Nährstoffen sollten sich Eltern nach Ansicht der Warentester nicht verführen lassen, Kindermolkereiprodukte zu kaufen.
Vitamine steckten optimal dosiert in Obst, Gemüse und Getreide, also in Grundnahrungsmitteln. "Natürliche Aromen", wie häufig auf den Packungen vermerkt, stammten überwiegend aus dem Labor und nicht von Früchten.
Eine der Ursachen ist bei der Ernährung zu finden und damit auch bei den Lebensmittelherstellern. Im Jahr 2000 machten sie allein in Deutschland über 115 Milliarden Euro Umsatz. Ein hart umkämpfter Markt, wo ein winziger Vorteil gleich mehrere Millionen Euro Umsatzplus bedeuten können.
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