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Bochumer Forscher entwickeln ein Notfall-Analyse- und Diagnosesystem
Ein neues Notfall-Analyse- und Diagnosesystem (NADiS) soll im Katastrophenfall die Rettungs- und Fluchtwege in U-Bahn-Tunneln zeigen und dabei auch die aktuelle Rauchverteilung im Tunnel miteinbeziehen. Die Strömungsdaten aus den U-Bahn Tunneln in New York und Dortmund bilden die Grundlage hierfür. "NADiS" wurde vom Klimatologen Andreas Pflitsch an der Ruhr-Universität Bochum entwickelt: "Insgesamt ist die U-Bahn ein sicheres Verkehrsmittel, aber eben nicht ganz sicher."
Mit diesem System hoffe er, Vorfällen wie Anschlägen entgegnen zu können. "In den USA arbeite ich gerade mit einer Forschergruppe, die speziell für Terroranschläge in den U-Bahnsystemen eingesetzt wurde. Wir haben gemeinsame Messungen durchgeführt und wir tauschen auch unsere Daten aus mit dem Ziel, die U-Bahnen noch sicherer zu machen."
Die Strömungsverhältnisse unter Tage sind schwierig zu berechnen, denn viele Faktoren haben hierauf Einfluss. Es gibt nicht nur eine Aus- oder Einfahrt und damit nur zwei mögliche Richtungen für die Luftströmung, sondern ein vernetztes System mit unterschiedlichen Höhenniveaus. Da die verschiedenen Ebenen miteinander verbunden sind, kann der Windzug von einem auf den anderen Moment seine Richtung ändern. Die Außentemperatur, die Windgeschwindigkeit und der Luftdruck nehmen massiven Einfluss auf die Verteilung des Rauches. Sobald die Forscher Zugbewegung, Witterung und aktuelle Luftbewegung kennen, können sie die Schadstoffausbreitung für das gesamte Tunnelnetz vorhersagen.
Diese Daten können im akuten Ernstfall das Leben tausender Menschen retten. Bei einer Alarmmeldung würden dann die Messstationen in den Tunneln innerhalb von Sekunden der U-Bahnzentrale und der Feuerwehr den genauen Unfallort und die Art der Gefahrensituation melden und Rettungsmöglichkeiten zeigen.
"Wir stellen uns das so vor, dass ein zusätzlicher Monitor in der Leitzentrale stehen würde und dieser zunächst das Streckennetz anzeigt. Wenn ein Notfall auftritt, wird dieser durch einen roten Punkt gekennzeichnet. Als nächster Schritt würde dann die Strömungssituation innerhalb dieses Streckennetzes dargestellt, das heißt der Verlauf der Luftströme im Tunnelnetz." Als dritter Teil käme der Gefahrenteil. "Wir würden die Tunnelabschnitte sehen, die durch Rauch oder andere Gefahrenstoffe kontaminiert sind."
Über Funk wird dem Zugführer der beste Fluchtweg mitgeteilt, und die Fahrgäste können in die rauchfreien U-Bahnzonen evakuiert werden. Schon zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 könnte das Notfall-Analyse- und Diagnosesystem in Dortmund eingesetzt werden.
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