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Vor allem fossile Brennstoffe decken den Energiehunger
Wasser und Windkraft haben nur einen Anteil von vier Prozent am Energiemix
Kohle, Öl und Gas bleiben auf absehbare Zeit die tragenden Säulen der Energieversorgung in Deutschland: Die Bundesrepublik deckt ihren Energiebedarf noch zu fast 90 Prozent aus fossilen Quellen wie Kohle und Öl. Erneuerbare Energien wie Wasser und Windkraft haben nur einen Anteil von etwa vier Prozent am Energiemix. Ihr Potenzial ist jedoch deutlich größer. Weltweit stehen zahlreiche Alternativen zur Verfügung, um den wachsenden Energiehunger der Menschheit zu stillen:
Energieträger Anteil an Stromerzeugung Primärenergieverbrauch (%)
Atomenergie 27,8 12,6
Braunkohle 26,4 11,4
Steinkohle 23,0 13,5
Erdgas 10,3 22,4
Erneuerbare Energien 9,3 3,6
übrige 3,1 -
Mineralöl - 36,4
Die weltweiten Ölreserven sind nach wissenschaftlichen Analysen noch längst nicht erschöpft und belaufen sich auf etwa drei Billionen Barrel. Bei dem derzeitigen Verbrauch von rund 30 Milliarden Barrel im Jahr würde dies noch für rund 100 Jahre reichen ("Science", Bd. 304, S. 1114). Die Hauptlagerstätten liegen im Nahen Osten. Deutschland hat keine relevanten eigenen Vorräte.
Die förderbaren Erdgasvorräte schätzt das Bundeswirtschaftsministerium auf etwa 175.000 Milliarden Kubikmeter weltweit, was bei gegenwärtiger Förderung für mehr als 100 Jahre reichen würde. 41 Prozent der Vorräte lagern im Nahen Osten, 27 Prozent in Russland. Deutschland verfügt nach dieser Aufstellung nur über 0,2 Prozent der weltweiten Erdgasreserven.
Etwa ein Viertel des Weltenergiebedarfs wird heute durch Kohle gedeckt. Mehr als 630 Milliarden Tonnen abbaubare Reserven lagern weltweit in der Erde, vor allem in den USA (30 Prozent), Russland (20 Prozent), China (12 Prozent), Indien (10 Prozent) und Australien (9 Prozent). Die deutschen Kohlereserven machen 2 Prozent des Weltvorrats aus. Bei gegenwärtiger Förderung reicht die Kohle nach Ministeriumsschätzung in Deutschland und weltweit noch etwa 160 Jahre. Wie andere fossile Brennstoffe produziert Kohle viel klimaschädliches Kohlendioxid beim Verbrennen. Mit modernen Kraftwerken lässt sich der Kohlendioxidausstoß reduzieren. Alternative Konzepte sehen vor, das Treibhausgas abzuscheiden und unter die Erde oder ins Meer zu pressen. Ob sich diese Techniken tatsächlich einsetzen lassen, ist allerdings noch nicht geklärt.
Anders als die fossilen Energiequellen produziert die Kernenergie kein klimaschädliches Kohlendioxid. Doch auch für Atomkraftwerke ist der Brennstoff Uran begrenzt: Im Kernkraft freundlichen Frankreich rechnet das Kommissariat für Atomenergie, dass die nachgewiesenen weltweiten Reserven, die sich zu wirtschaftlich tragbaren Kosten gewinnen lassen, noch für knapp 70 Jahre reichen. Unter Einsatz aller technischen Mittel lässt sich demnach die Reichweite um 50 weitere Jahre verlängern. In Deutschland deckt die Kernkraft gegenwärtig etwa ein Achtel des Primärenergieverbrauchs, die Bundesrepublik hat sich aus politischen Gründen von diesem Energieträger verabschiedet.
Die Kernfusion hat noch einen langen Weg vor sich, ist nach Meinung vieler Experten aber eine interessante Option. So trägt sie wie die Kernspaltung nicht zum Treibhauseffekt bei, produziert jedoch weniger gefährliche radioaktive Abfälle - und der Brennstoff Wasserstoff und Lithium ist nahezu unbegrenzt. Zwei Liter Wasser und ein halbes Pfund Gestein enthielten die Rohstoffe für den jährlichen Stromverbrauch einer ganzen Familie, hat das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching bei München errechnet. Im südfranzösischen Cadarache entsteht derzeit der internationale Testreaktor ITER. Das erste Kraftwerk geht nach Expertenschätzung jedoch nicht vor 2035 ans Netz.
Von den erneuerbaren Energien hat derzeit die Wasserkraft die größte Bedeutung. Weltweit kommen bereits 20 Prozent des Stroms aus Wasserkraft, wobei die Ressourcen sehr ungleich verteilt sind. Während etwa Brasilien rund 80 Prozent des Stroms aus Wasserkraft gewinnt und Norwegen nahezu seine gesamte Elektrizität, stammt in Deutschland nur jede 20. Kilowattstunde (5 Prozent) aus einem Wasserkraftwerk. Die Hauptkritik an der Wasserkraft richtet sich gegen die Stauseen, die viel Platz benötigen, aber die Technik berechenbarer machen als andere erneuerbare Energieformen wie Wind und Sonne.
Die Windkraft deckt weltweit erst etwa ein Prozent des Strombedarfs, hat aber nach Branchenschätzungen für das Jahr 2020 ein Potenzial von 12 Prozent. In Deutschland stammen derzeit knapp 6 Prozent der Elektrizität aus Windenergie, in Dänemark bereits bis zu 30 Prozent. Besonderes Potenzial wird Offshore-Windparks zugeschrieben: Windkraftwerke auf 3 Prozent der europäischen Seefläche könnten der Umweltorganisation Greenpeace zufolge 30 Prozent des Strombedarfs in Europa decken.
Das größte Angebot bietet die Sonnenenergie: Täglich liefert die Sonne der Erde den Energiebedarf von acht Jahren frei Haus. Mit der heutigen Technik ließe sich nach Angaben des Forschungsverbunds Sonnenenergie der Weltenergiebedarf immerhin fast vier Mal decken. Am größten ist das Potenzial in Äquatornähe. In Deutschland spielt Sonnenenergie bislang keine nennenswerte Rolle - so stammen nur Prozentbruchteile des bundesdeutschen Stroms aus der Photovoltaik.
Nahezu unerschöpflich und weltweit verfügbar ist die Erdwärme. Nach einer Untersuchung des Geoforschungszentrums Potsdam ließe sich mehr als die Hälfte des deutschen Wärmebedarfs mit Geothermie decken. Und das Erdwärme-Angebot übersteigt den Strombedarf in Deutschland um das 600fache, wie die Geothermische Vereinigung unter Berufung auf eine Untersuchung des Bundestagsbüros für Technikfolgenabschätzung berichtet. Während Island fast seinen gesamten Energiebedarf mit Erdwärme deckt, spielt Geothermie in Deutschland noch keine wesentliche Rolle.
Biomasse wird als Alternative zu fossilen Brennstoffen gehandelt. Das breite Spektrum reicht von schnell wachsenden "Energiepflanzen" mit hohem Brennwert über Raps-Biodiesel bis hin zu Biogas-Anlagen, die aus Gülle brennbares Methan gewinnen. Die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe hält etwa 10.000 Biogas-Anlagen in Deutschland in den nächsten 10 bis 20 Jahren für realistisch - allerdings würden diese zusammen nur etwa die Leistung eines Kernkraftwerks erreichen.
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