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Michael Höckel hat entdeckt, dass Gebärmutterhalskrebs nicht ziellos wächst
Eine neue Operationsmethode reduziert die Belastungen für Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs auf ein Minimum. Den Frauen können die Tumoren künftig gezielter entfernt werden als bei der heute noch üblichen Standardoperation, wie Michael Höckel von der Universitätsfrauenklinik Leipzig berichtet. Eine anschließende Bestrahlung ist nicht mehr notwendig. "Aber auch ein bösartiger Tumor bleibt zunächst in einem eng begrenzten Gebiet", erläutert Höckel.
Der Mediziner erkannte, dass sich die Grenzen der Ausbreitung eines bösartigen Tumors am Ort seiner Entstehung genau feststellen lassen, da sie durch das embryonale Ursprungsgewebe des betroffenen Organs definiert werden. Darauf basiert auch die von ihm entwickelte Methode: Der Operateur kann einen Tumor viel gezielter entfernen und dabei gesundes Gewebe selbst in unmittelbarer Nachbarschaft zum Krebs stehen lassen.
"Die anatomischen Grenzflächen müssen nur genau erkannt werden", fand Höckel heraus. Dazu ist es für den Arzt notwendig, sich auch in der embryonalen Entwicklung gut auszukennen. "Bereits beim Embryo kann man beobachten, aus welchen Ausgangsgeweben sich die Organe bilden", erklärt der Mediziner. Auch wenn sich im Lauf der Entwicklung die Größenverhältnisse noch ändern, so ist doch die grundsätzliche Lage der Zellen bereits definiert. "Ich kann also die Gebärmutter exakt etwa vom Rektum unterscheiden", sagt Höckel. Und der Krebs hält sich erstaunlicher Weise ebenfalls lange an diese Grenzen.
Höckel hat die neue Operationsmethode bereits 1998 entwickelt, seit 1999 läuft an der Leipziger Uniklinik eine Studie dazu. Etwa 130 Patientinnen hat er seither mit der Methode operiert und dabei hervorragende Ergebnisse erzielt: Gibt es bei der Standardmethode etwa 30 Prozent schwere Nebeneffekte, die bis hin zum Tod der Betroffenen führen können, so konnte er diese Quote auf unter 10 Prozent drücken.
Bei mehr als 95 Prozent der Patientinnen trat kein Tumor mehr im Becken auf, bei der konventionellen Methode war die Rate mit 85 Prozent deutlich geringer. Bei der bisher angewandten Operationsmethode steht die Überlegung im Mittelpunkt, dass ein Tumor sich ungeregelt in alle Richtungen ausbreitet. Bislang ist es laut Höckel üblich, rund um den Tumor gelegenes gesundes Gewebe in einer Stärke von einem bis drei Zentimetern mit zu entfernen. Davon sind häufig auch Nerven, die Blase oder die Harnleiter der Frauen betroffen. Daraus ergeben sich oft ungewollte Nebeneffekte, unter denen die Betroffenen leiden.
Die Probleme reichen von Schwierigkeiten beim Wasserlassen bis hin zu Einschränkungen im Sexualempfinden. Wenn der Tumor dennoch nahe an den Absetzungsrand herankommt, wird bislang mit einer anschließenden Bestrahlung versucht, mögliche Tumorrückfälle im Becken zu verhindern.
Bei Narben ist Vorsicht geboten
Während seiner Studien hat Höckel auch festgestellt, dass sich die Tumorzellen nicht in benachbartes Gewebe ausbreiten, wenn dies einen anderen embryonalen Ursprung hat. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Narben und entzündetes Gewebe können wie eine Brücke wirken, über die sich der Krebs dann doch ausbreiten kann. "Deshalb ist es bei der Tumoroperation auch sehr wichtig, die Narbenbildung so gering wie nur irgend möglich zu halten, weil das Wiederentstehen eines Tumors durch Narben begünstigt wird." Die von Höckel behandelten Patientinnen mussten sich im Anschluss an die Operation auch keiner Nachbestrahlung unterziehen.
Dadurch wurden die Belastungen deutlich verringert. "Nicht verzichten sollte man jedoch auf die Chemotherapie", meint Höckel. Vor einer Operation dient sie dazu, Tumore schrumpfen zu lassen, wenn bereits Tochtergeschwülste entstanden waren, müssen sich die Patientinnen auch nach einer Operation einer Chemotherapie unterziehen. Dies ist der Fall, wenn drei oder mehr Lymphknotenmetastasen nachgewiesen wurden.
Bei der Gebärmutterhalskrebsoperation müssen die Lymphknoten im Becken mit entfernt werden. "Manche Patientinnen haben wegen der entfernten Lymphknoten zunächst Probleme mit Lymphödemen, die sich in geschwollenen Beinen bemerkbar machen", berichtet Höckel. Doch für diese Frauen gibt es einen Trost: Die Lymphgefäße wachsen nach, auch wenn dies einige Jahre dauern kann. Höckel möchte jetzt in einer größer angelegten Studie die Vorteile seiner Operationsmethode nachweisen. Er hofft, das sich eine größere Anzahl an Instituten mit entsprechend vielen Operateuren daran beteiligt.
Eines ist für ihn aber ganz sicher: "Die Embryologie bekommt als Fachgebiet ein viel größeres Gewicht." Es sei nämlich durchaus möglich, dass sich seine Erkenntnisse auch auf andere Krebserkrankungen übertragen lassen, und dann müssen die behandelnden Mediziner wissen, welche embryonalen Ursprungsgewebe benachbart sind.
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