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    Vaupel: "Denken Sie an den neuen Papst: Der ist 78!"

     

    "Ältere Arbeitskräfte müssen neue Fertigkeiten lernen oder einen neuen Beruf" "Ältere Arbeitskräfte müssen neue Fertigkeiten lernen oder einen ganz neuen Beruf", sagt der Rostocker Bevölkerungsexperte James Vaupel und fordert drastische Reformen: längere Lebensarbeitszeit und mehr Fortbildung. Es sei sinnvoll, länger zu arbeiten und dafür in anderen Lebensphasen mehr Zeit zu haben: "Reformen am Arbeitsmarkt sollten die Leute im mittleren Alter entlasten und die Alten mehr arbeiten lassen. Die können doch eine Menge. Denken Sie an den neuen Papst. Der ist 78!" Die Hälfte der Neugeborenen in hoch entwickelten Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Japan wird nach Einschätzung Vaupels ihren 100. Geburtstag feiern. Eine biologische Altersgrenze gebe es nicht, sagte der Direktor am Max-Planck-Institut für Demographie in Rostock. "Innerhalb der vergangenen 160 Jahre stieg die Lebenserwartung in jeder einzelnen Dekade um 2,5 Jahre", meinte Vaupel. Ein Ende sei nicht in Sicht. "Es gibt keine Indizien, dass sich der Anstieg der Lebenserwartung abflacht." Vor einem Pflegeheim Bundesrepublik habe er keine Angst. Die Menschen würden gesund altern: "Es ist schwierig, sehr alt zu werden, wenn man krank ist. Es ist die gesunde Lebenserwartung, die nach oben zeigt." Die Bevölkerung in Deutschland unterschätzt aber nach einer Studie ihre Lebenserwartung deutlich und sorgt deshalb nur unzureichend für die finanzielle Absicherung im Alter vor. Einer Auftragsstudie des Lebensversicherers Allianz Leben zufolge, rechnen neun von zehn Deutschen mit einer zu kurzen Lebenserwartung. "Männer unterschätzen ihre Lebenserwartung um acht Jahre, Frauen sogar um 13 Jahre", erläuterte Holger Geißler vom Kölner Marktforschungsinstitut Psychonomics, das für die repräsentative Umfrage rund 1000 Personen befragt hatte. Die tatsächliche Lebenserwartung betrage derzeit bei Männern 86 und bei Frauen 91 Jahre. "Eine falsche Einschätzung der Lebenserwartung kann sich auf die Finanzsituation im Ruhestand dramatisch auswirken", warnte Allianz-Leben-Geschäftsführer Benno von Canstein. Die Deutschen liefen Gefahr, dass ihre Ersparnisse noch zu Lebzeiten aufgebraucht würden. Zwei Drittel der Befragten seien zudem irrtümlich davon überzeugt, dass sie die steigende Lebenserwartung voll und ganz bei ihrer Altersvorsorge berücksichtigt hätten. "Angesichts der gravierenden Unterschätzung der eigenen Lebenserwartung ist dies ein Trugschluss", erklärte der Versicherungskonzern. Die Lebenserwartung der Ostdeutschen hat seit der Wende deutlich zugenommen. Wie das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock mitteilte, wurde der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Ost und West von 1989 bis 2002 deutlich kleiner. Bei Frauen im Osten sei sie von 76,3 auf 81,2 Jahre gestiegen, bei Männern dagegen von 69,2 auf 74,7 Jahre. Im Westen fiel der Anstieg schwächer aus: bei Frauen von 79,0 auf 81,4 und bei Männern von 72,7 auf 75,9 Jahre. Damit schließe sich die Schere wieder, die sich seit 1975 geöffnet habe. Zuvor war die Entwicklung der Lebenserwartung in Ost und West fast gleich gewesen. Auch Menschen, die 1989 schon alt waren, konnten von der Veränderung der Lebensumstände profitieren. In dem Informationsblatt "Demografische Forschung Aus Erster Hand", das das Rostocker Institut gemeinsam mit dem Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien herausgibt, wurden dazu die Geburtsjahrgänge 1895 bis 1910 betrachtet. Demnach war die Sterbewahrscheinlichkeit, also die Wahrscheinlichkeit, in einem bestimmten Alter seinen nächsten Geburtstag nicht mehr zu erleben, in der DDR deutlich höher als in der alten Bundesrepublik. Inzwischen seien auch hierbei die Unterschiede nur noch gering. Die Verbesserung im Osten führen die Autoren der Studie darauf zurück, dass alte Menschen in der DDR medizinisch nicht so gut versorgt wurden wie im Westen. Ein weiterer Grund sei, dass mit Einführung des westdeutschen Rentensystems, von dem nach der Wiedervereinigung vor allem die Frauen im Osten profitierten, die alten Menschen finanziell besser gestellt wurden. Erfahrungsgemäß sei ein langes Leben eng mit materiellem Wohlstand verbunden. Diese Erkenntnisse sprechen nach Ansicht der Forscher gegen die Annahme, dass die Länge des menschlichen Lebens im hohen Alter nicht mehr beeinflusst werden könne. Derzeit scheint es so, als würde sich die Chance, noch älter zu werden, erhöhen, je älter man wird. Man vermutet, dass die Sterblichkeit ab einer bestimmten Altersgrenze sinkt. Durch ihre akribische Recherche können die Demografen eindeutig belegen, dass einschneidende Veränderungen der aktuellen Lebensumstände die Lebenserwartung enorm beeinflussen können. Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung weißt die Politik darauf hin, welche Konsequenzen eine alternde Bevölkerung haben wird: Deutschlands Bevölkerung wird bis 2050 von derzeit über 82 auf knapp 75 Millionen Menschen zurückgehen. Das liegt daran, dass zu wenig Kinder geboren werden. Diejenigen, die heute nicht geboren werden, können morgen selbst keine Kinder bekommen. Noch schwerwiegender als die Veränderung der Einwohnerzahl ist nach Meinung von Fachleuten die Überalterung. So wird in Nordrhein-Westfalen die Zahl junger Menschen im Schulalter bis 2020 in allen Regionen des Landes um durchschnittlich fast 19 Prozent sinken, während die Zahl der Über-75-Jährigen um durchschnittlich mehr als 50 Prozent zunimmt.



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    09.02.2006
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