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In Mitteleuropa verbringen die Menschen bis zu 90 Prozent ihrer Zeit in Innenräumen. Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit hängen deshalb immer mehr u. a. von Aspekten der Wohngesundheit wie Behaglichkeit, Raumfeuchte, Temperatur, Emissionen, Lärm, Gerüche, Tageslicht, Schall und Elektrosmog ab. Die Optimierung des Raumklimas kann so auch zu einem wirtschaftlichen Faktor werden.
Darüber einig waren sich die Teilnehmer des Symposium ‚Bauen – leben – wohnen’, dass das IBK Darmstadt zusammen mit der WTA, der Fraunhofer-Gesellschaft, der gemeinnützigen Gesellschaft‚ Heilen im Dialog’, Celle, sowie dem Impulsgeber für diese Tagungsreihe, dem ökologischen Hausbauunterneh-men Haacke-Haus aus Celle/Potsdam am 6./7.Sep-tember in Berlin veranstaltete.
Keine übergreifende Regelung
Dr. Wolfgang Hegner vom Umweltbundesamt unter-strich vor über 130 Ärzten, Apothekern, Hygienikern und Fachleuten aus dem Baubereich, dass die Luftqualität im Innenraum nicht durch eine über-greifende Regelung sichergestellt wird. Einige Schad-stoffquellen reguliert das Gesetz, andere bestimmt der Bewohner durch sein Verhalten. Die Belastung der Innenraumluft ist so bedeutend geworden, weil beispielsweise der Eintrag von Chemikalien häufig großflächig durch Teppichböden, Kleber oder Farben erfolgt. Dank der Bemühungen um energiesparendes Bauen sind die Gebäude luftdichter als früher. Wird nicht ausreichend gelüftet, kommt es durch ent-stehende Raumfeuchte zu Schimmelpilzbildungen, die zu unterschiedlichsten Krankheitsbildern führen können. Prof. Hans-Peter Leimer, Präsident der WTA, unterstrich, dass das noch passieren kann, wenn die Pilze längst abgestorben sind. Untersuchungen zur Belastung der Innenraumluft mit Keimen haben bestätigt, dass eine kontrollierte Lüftung zu einer wirkungsvollen Reduzierung führen kann. Allerdings ist Wert auf eine regelmäßige Reinigung der Filter zu legen. Zum Thema Elektrosmog informierte Leimer über Untersuchungen, die keine gesundheitliche Be-lastung durch elektromagnetische Wellen beweisen. Dennoch raten seriöse Wissenschaftler zur Vorsorge, da es Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko, Einfluss auf das Zentralnervensystem oder auf Verhaltens-änderungen gebe.
Aspekte der Behaglichkeit
Prof. Klaus Sedlbauer, Direktor des Fraunhofer-Insti-tuts für Bauphysik, Stuttgart, führte aus, dass un-terschiedlichste Raumkonditionen Behaglichkeit und Leistungsfähigkeit beeinflussen. Untersuchungen an Schulen haben beispielsweise ergeben, dass Lärm und Tageslichteinschränkungen die Aufnahmefähig-keit der Schüler reduzieren. Auch die thermische Behaglichkeit einer Person wirkt sich aus auf Motivation und Leistungsvermögen. Das Stuttgarter Institut hat deshalb ein Klimasegel entwickelt, dass in einem Raum mehrere Arbeitsplätze individuell klimatisieren kann. Darüber hinaus informierte Sedl-bauer, dass Gerüche zunehmend unser Behag-lichkeitsempfinden beeinflussen.
Kurative Umweltmedizin
Dr. Frank Bartram, Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes der Umweltmedizin, und praktizie-render Facharzt dieser Sparte, stellte anhand von Erfahrungen verschiedene Expositionsbereiche vor, die den menschlichen Organismus belasten. Dazu können auch nicht sichtbare Schimmelpilze oder Fremdmaterialien im Dentalbereich gehören. Toxische Kombinationen erschweren allerdings Analyse und Behandlung, erhöhen gleichzeitig auch die Anforderungen an eine kurative Umweltmedizin, da jede Exposition zu Umweltschad- und Reizstoffen hochgradig individuell ist. Anhand eines Fallbeispieles aus Norwegen, stellten Bartram und Leimer vor, dass eine Gruppe von 23 Personen durch die Belastung des Arbeitsumfeldes mit Schimmelpilzen und Bakterien erheblich gesundheitlich beeinträchtigt wurde. Nur durch den Wechsel des Standortes konnte das Sick-Building-Syndrom für diese Gruppe beseitigt werden.
Fazit:
Bauweise und Baumaterialien beeinflussen in hohem Maße Gesundheitszustand, Behaglichkeitsempfinden und Leistungsvermögen. Eine engere Zusam-menarbeit verschiedener Disziplinen ist die Voraus-setzung, um zukünftig zu wirkungsvollen positiven Veränderungen zu kommen. Voraussetzungen sind eine bessere und sichere Information – bis hin zum Verbraucher – und eine seriöse Qualifikation der Fachleute. Vorsorge im privaten Wohnumfeld lässt sich wesentlich einfacher fassen, während sich Kommunen, Verbände und Unternehmen ihrer kollektiven Verantwortung bewusst sein müssen. Zeit- und Kostendruck dürfen nicht den alleinigen Ausschlag für das zukünftige Bauen haben, da erhebliche Nachsorgeaufwendungen im Gesundheits-bereich nicht auszuschließen sind. „Wer nachhaltig bauen will, muss sich auch Gedanken um die Wohngesundheit machen. Viele vorbeugende Maßnahmen erweisen sich langfristig als kluge Investition in die eigene Vorsorge, gerade wenn es um Kinder geht. Positivlisten könnten Ärzten, Apothekern und Baubiologen genauso hilfreich sein, wie den Verbrauchern“, so Detlef Bühmann, Geschäftsführer von Haacke-Haus, einem der Mitveranstalter der Tagung.
Weitere Infos unter www.Haacke-natur.de oder
(0800) 42 22 53-3.
Tagungsband: IBK, Außenstelle Brandenburg
Tel.: (0 33 81) 30 85 90; Fax: (0 33 81) 30 85 79
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Fachkongress

Namhafte Referenten traten auf dem Kongress ‚Bauen, leben, wohnen – Gesundheit als Einheit’ auf, der

Dr. Wolfgang Hegner, Umweltbundesamt.

Prof. Klaus Sedlbauer, Direktor des Fraunhofer- Instituts für Bauphysik (IBP), Stuttgart

Dr. Frank Bartram, Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes der Umweltmedizin
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