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Kennen Sie das? Ein Termin jagt den anderen, kaum Zeit zum Luft holen, drei Projekte laufen gleichzeitig und der wenige Schlaf wird nur noch aus Notwendigkeit gehalten, ohne dass er wirklich erholt. Ja, Sie kennen das bestimmt. Ich auf jeden Fall lernte das in den vergangenen Monaten kennen. Niemals hätte ich für mich den Begriff „Burnout“ in den Mund genommen, eine sowieso sehr verwaschene Bezeichnung für eine Vielzahl von Symptomen.
Meine Meinung hat sich geändert. Gut, früher hätten gute Freunde den Tapetenwechsel empfohlen. Heute muss das wohl ein Therapeut oder Coach machen, weil die Freunde oftmals an ähnlichen Symptomen leiden.
Bei mir war es schließlich eine Blitzampel. Eine Blitzampel? Jawohl, eine Blitzampel!
Von vorne: Ich bin ein Freund der Analogien und stets bemüht aus den Dingen, die so passieren, eine fruchtbare Erkenntnis zu ziehen. Nun, manchmal ist ein Stock einfach auch ein Stock, und das sehe ich dann auch so. Doch bei dieser Blitzampel schien es anders.
Rückblick: Die vergangenen drei Monate waren anstrengend. Ein guter Freund lag schwer erkrankt im Krankenhaus, fast tägliche Theaterproben, die sich in die Länge zogen, eine Prüfung, die vorbereitet werden wollte, Skripte für eine bevorstehende Ausbildung schreiben, Freunden beim Neubau helfen und eben noch der Alltag mit schmutziger Wäsche, die gewaschen werden und einer Wohnung, die sich einfach nicht selbst reinigen wollte.
Erste Station - Geist: Das das alles schon zuviel war, leuchtete mir ein. Der Wille zum Funktionieren jedoch verdrängte die Zeichen, die mein Gehirn, meine Psyche, meine Seele mir setzten. Meine Devise: „Ich schaffe das schon!“
Zweite Station - Körper: Meine Haut fin an zu rebellieren, wurde rot, juckte und kniff, raubte mir den Schlaf. Nachts aufwachen mit Kratzen, morgens aufwachen mit Kratzen, Erste Ermüdungserscheinungen, Knochenschmerzen. Meine Devise weiterhin: „Ich schaffe das schon!“
Dritte Station – Umwelt: Die „Erleuchtung“ kam des Nachts. Gerade Strecke, nichts los auf den Straßen. Dann die Ampel: Sie wurde gelb und es war klar, dass das Rotzeichen gleich folgen würde. Und dass diese Ampel ein Comfort-Modell mit eingebautem Blitz war, wusste ich zudem. Es war genug Zeit zum Bremsen, niemand hinter mir, dem selbst eine Vollbremsung hätte schaden können. Trotzdem die Überlegung: „Was ist zu tun?“. Die Ampel wurde rot - wie ich es realistischerweise erwartet hatte. Selbe Situation und immer noch die unsinnige Überlegung, was zu tun sei. So muss es auf der Titanic gewesen sein, als die Kapelle weiterspielte. Dann der erste Blitz, dann der zweite Blitz, dann Ruhe und vor meinen Augen die grünen Punkte als Reaktion auf dieses Lichtermeer. Die nächste Reaktion – immer noch grüne Punkte sehend: Wut, Ärger, und die Frage nach der gesetzlichen Richtigkeit einer derartigen optischen Beeinflussung im Straßenverkehr. Kann man da keine moderne Infrarottechnik einsetzen? Dann natürlich der zweite (oder dritte) Gedanke, dass ich im „Worst Case“ einen Monat ohne Führerschein sein werde.
Mein analytisches Gehirn wollte sich mit dem Gedanken „manchmal ist ein Blitz eben nur ein Blitz“ nicht wirklich zufrieden geben. Und dann war klar: trotz aller Vorwarnung, trotz genügend Zeit und Raum für eine Vollbremsung, trotz reeller Chancen, der örtlichen Polizeidienststelle mein Foto vorenthalten zu können, habe ich überlegt, wo es gar nichts zu überlegen gab.
Erkenntnis: Manchmal sind Warnzeichen eben einfach nur Warnzeichen. Dann gibt’s da nix zu überlegen, sondern nur noch zu handeln. Wenn es der Verstand nicht schafft, dann liefert eben der Körper rote, juckende Signale. Und wenn´s der Körper auch nicht schafft, dann muss eben eine Ampel mit Ihren Blitzen und den daraus folgenden Konsequenzen ans Werk. Oder wie der gute alte Hermes Trismegistos auf seiner sagenumwobenen Tabula Smaragdina schon bemerkte: „Wie Innen, so Außen.“ Ha, so einfach kann das Leben sein.
Fazit: ich habe mich spontan mit dem Gedanken angefreundet, die begonnenen und mittlerweile auch zeitlich absehbaren Projekte zu Ende zu bringen, um danach einen einwöchigen Urlaub in einem Sporthotel in aller Abgeschiedenheit zu buchen, meinem Körper und vor allem meinem Geist und meiner Seele das zurückzugeben, was ich Ihnen abgetrotzt habe.
Jaja, Sie mögen mich für esoterisch verblendet halten. Sollen Sie doch! Mir hat es geholfen, wie eine solche Art der Interpretation mancher Geschehnisse auch meinen Klienten bereits geholfen hat. Danke, Hermes!
Wenn Ihnen allerdings wohler dabei ist, dann nennen Sie es eben Assoziation oder: die Fähigkeit des Gehirns, verborgene Wünsche an Hand solch trivialer Begebenheiten wie einer Blitzampel dann doch noch an´s Tageslicht zu bringen. Danke Siegmund!
Ob Hermes Trismegistos und Siegmund Freud sich wohl verstanden hätten? Manche Frage stellt sich glücklicherweise nicht mehr.
Viele Grüße und frohes Assoziieren!
Ihr
Joachim Letschert
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