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Seit 1997 erhalten Firmen, insbesondere aus den USA, erstmals Patente auf Leben und schaffen einen in der Geschichte des geistigen Eigentums einmaligen Präzedenzfall. So knackten Großkonzerne den genetischen Code traditioneller Pflanzen wie z.B der gelben Bohne aus Mexiko, des Basmatireises oder auch des Neem-Baums. Die Pflanzen wurden de facto zum Eigentum der Multis. Diese Praxis zerstört die traditionellen lateinamerikanischen oder asiatischen Märkte und zwingt die Kleinbauern, für den Verkauf ihrer Produkte im Ausland Lizenzgebühren zu entrichten.
Phaseolus vulgaris ist, wie der botanische Name andeutet, die ganz normale Bohne. Ihre Samen treten in den verschiedensten Farben auf — weiß in der serbischen Bohnensuppe, rot im Chili con carne. Weniger bekannt ist die gelbe Spielart, obwohl mexikanische Bauern sie seit jeher unter Namen wie z.B. Azufrado kultivieren. Eine Tüte solcher Bohnen kaufte Larry Proctor, Besitzer der US-Saatgutfirma Pod-Ners, während eines Mexiko-Aufenthalts im Jahr 1994, taufte sie nach dem zweiten Namen seiner Gattin "Enola" und meldete die Sorte in seiner Heimat zum Patent an. Erbgut-Analysen zeigen indes, dass die "Enola"-Bohne mit der traditionellen Sorte Azufrado identisch ist. Und so sichert seit dem 13. April 1999 das US-Patent 5894O79 auf die "Enola"-Varietät Harry Proctor das alleinige Monopol auf diese Bohnensorte, die in Mexiko seit Hunderten von Jahren gezüchtet wird. Demnach müssen mexikanische Bauern für den An- oder Verkauf der Bohne, die seit Urzeiten auf ihren Feldern wächst, jetzt an Larry Proctor Lizenzgebühren zahlen. Im Dezember 2000 legte das International Center for Tropical Agriculture (CIAT) Einspruch gegen das Piraten-Patent ein. Das Verfahren dauert an.
Bis zum Aufkommen der Gentechnik war die Patentierung von lebenden Organismen weltweit ausdrücklich verboten.
1980 fiel das Tabu mit einem Verfahren vor dem obersten Gerichtshof.
Es ging um die Patentierung eines Organismus, der sich von Erdöl ernährt. Heute beziehen sich 15% der US-Patente auf lebende Organismen, die durch Genmanipulation oder gezielte Züchtung von Eigenschaften, die sich so nicht auf natürliche Weise entwickeln würden, entwickelt wurden. Auch Weizen, die älteste Getreidesorte der Welt ist von Biopiraten bedroht. Zeitweise brachte das wertvolle Getreide mehr als 200.000 Sorten hervor, perfekt angepasst an unterschiedliche Böden, Klimabedingungen und Verwendungszwecke. Die Domestizierung der Pflanzen durch den Menschen läutete vor etwa 10.000 Jahren das Agrarzeitalter ein. Heute wird das goldene Korn in jedem noch so abgelegenen Winkel der Erde gezüchtet.
Als Folge der modernen Landwirtschaft und diverser Versuche mit genmanipuliertem Saatgut schmilzt der Artenreichtum des Weizens heute wie Schnee in der Sonne, was langfristig die weltweite Ernährungssicherheit gefährden könnte.
Auch Brokkoli ist patentiert. Seit fünf Jahren besitzt die Firma Bioscience ein Patent auf eine konventionell gezüchtete Brokkolisorte.
Dieses Patent liegt nun der Großen Beschwerdekammer vor, der letzten Instanz des Europäischen Patentamtes. Einsprüche gegen dieses Patent führen somit zu einer
Grundsatzentscheidung: Können im Widerspruch zur Rechtsgrundlage des Europäischen Patentamts Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere erteilt werden?
Weltweit kämpfen zivilgesellschaftliche Organisationen gemeinsam mit über 40 Bauernverbänden gegen diese neuen Patente und die Kontrolle der Nahrungsmittelproduktion.
Sie können diese Forderungen gegen Patente auf Leben mit Ihrer Unterschrift unterstützen.
Weitere Informationen unter: www.no-patents-on-seeds.org
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