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Rund 1 200 Mitglieder hat der Schwarzwaldverein Karlsruhe. Noch. Denn Vorsitzender Hans-Ulrich Graf spielt mit dem Gedanken, demnächst – grob geschätzt – mindestens 300 000 neue Mitglieder aufzunehmen. Die Kandidaten sind wie der Verein der Natur äußerst verbunden, haben allerdings mit dem Wandern weniger am Hut und sind daher seit einigen Monaten in einer Durlacher Kleingartenanlage sesshaft geworden. Die Rede ist von einem Volk Roter Waldameisen, das im Winter einen Pachtgarten der Stadt besetzt hat. Ameisenexperte Siegfried Schenkel hat nun die Betreuung übernommen, und sein Verein, der Schwarzwaldverein Karlsruhe, die bis zu einem Zentimeter großen Insekten "adoptiert".
Der Garten war im letzten Herbst von der Pächterin aufgegeben und danach von den Ameisen "übernommen" worden. Im Frühjahr hatte der Ameisenhaufen bereits eine stattliche Höhe von einem Meter. Die Parzelle war damit für das städtische Vermessungs- und Liegenschaftsamt (VLA) nicht mehr verpachtbar, zumal die Roten Waldameisen unter Naturschutz und auf der Roten Liste stehen. Er habe daraufhin einmal herumgefragt, wer "mit Ameisen zu tun hat", erzählte Ferdinand Killius, Leiter der VLA-Abteilung am Mittwoch bei einer Ortsbesichtigung. Schnell fiel der Name Siegfried Schenkel, Naturschutzwart und langjähriges Mitglied des Schwarzwaldvereins Karlsruhe. Der 69-jährige Ameisenfan ließ sich nicht lange bitten, sein Verein übernahm die Patenschaft.
Schenkel achtet künftig darauf, dass "seine" Tiere ausreichend Licht bekommen, Ameisen sind ausgesprochene Sonnenliebhaber. "Im Herbst putze ich ein wenig die Bäume im hinteren Gartenbereich aus, natürlich nicht die Rotfichte, den Futterbaum der Ameisen", erläuterte Schenkel. Damit der Feind der Krabbeltiere, der Specht, das Volk im Winter in Ruhe lässt, werde er im Herbst den Haufen mit trockenem Fichtenreisig abdecken. Eine Lupe müsse er demnächst mal mit in den Garten nehmen, denn nur mit dem Vergrößerungsglas sei zu erkennen, mit welchen Roten Waldameisen man es zu tun hat – wichtig für die Frage, ob die Ameisenburg nur eine oder mehrere Königinnen beherbergt.
Und weil er schon Erd-, Stein- und Feldhummel beobachtet hat, möchte er mit künstlichen Nisthöhlen und Hummel-Futterpflanzen auch diesen Tierchen im Kleingarten ein "Wohnungsangebot" machen.
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