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Auf dem Flur steigen Sie aus Versehen auf eine fingerlange Kakerlake, das erzeugt Ekel. Beim Baden im See beißt sie eine Geierschildkröte, das bringt gewaltige Schmerzen. Und schließlich sticht sie auch noch eine infektiöse Anopheles-Mücke, die anschließende Malaria bringt sie in Lebensgefahr. Keineswegs eine Horrorvision von einem Urlaub in einem exotischen Land. Das kann auch hier passieren - durch eingeschleppte Tierarten, Neozoen, wie der Zoologe Olaf Geiter schildert: "Es wurde beobachtet, dass Leute in der Nähe von Flughäfen auf einmal Fieber bekamen und zum Arzt gegangen sind. Man konnte sich das nicht erklären und stellte dann fest: Sie waren mit Malaria infiziert. Es gab etliche Todesfälle in Mitteleuropa in den letzten Jahren. Allein in der Schweiz wurden 25 bis 30 Fälle in den letzten Jahren gezählt. Und auch in vielen anderen deutschen und mitteleuropäischen Regionen ist dieses ein verbreitetes Phänomen."
An der Universität Rostock untersuchen Wissenschaftler, wie sich die Existenz von fremden Tierarten auswirkt. Mehr als 1300 haben sie schon registriert. Die ersten Neozoen kamen schon vor 500 Jahren mit Seefahrern wie Christoph Columbus. Vor allem über die Handelswege wurden unwissentlich Exoten eingeschleppt, mit teils katastrophalen Folgen für die heimische Pflanzen- und Tierwelt. Andere Arten waren zunächst erwünscht wie der Bisam, den Pelzhändler zuerst aussetzten. Inzwischen hat sich das Nagetier derart vermehrt, dass es heute staatlich bekämpft werden muss. Jäger fangen rund 300 Tiere jährlich. Der Bisam hat sich im mitteleuropäischen Raum zum Schrecken der Bauern entwickelt: Er untergräbt Uferböschungen und Hochwasserdeiche. Dies bedeutet auch eine Gefahr für die Anwohner.
Die von den Forschern vor Ort gesammelten Proben kommen in eine Blutbank, die die Forscher angelegt haben. Die so gesammelten Daten zeigen, wie die Neozoen die hiesige Tierwelt verändern. Die Eindringlinge mischen sich mit heimischen Arten. Bislang ging man davon aus, dass sich deren Nachkommen, Bastarde, nicht fortpflanzen können. Ein Irrtum, wie die Analysen ergaben. Heimische Arten können aussterben, Mischungen von Parasiten und Ungeziefer sind oft besonders aggressiv. Amerikanische Kakerlaken, orientalische Schaben: die Dunkelziffer der eingeschleppten Schädlinge ist hoch. Längst sind die krankheitserregenden Insekten nicht nur in GroßKüchen, Hotels und öffentlichen Gebäuden zu finden. Sie breiten sich auch in Privathaushalten aus. Zustände, die die Einwohner bislang nur von exotischen Urlaubsorten kannten. Immer häufiger müssen Schädlingsbekämpfer gerufen werden.
"Wir müssen bedenken, dass die nächste Art, die zu uns kommt, potentiell sehr gefährlich sein kann. Und da wir eben nicht wissen, wie sich die nächste Art verhält, müssen wir vor allem durch gesetzliche Regelungen und durch Aufklärung der Bevölkerung verhindern, dass diese Arten zu uns kommen, weil das wesentlich kostengünstiger ist als hinterher die Schäden zu beseitigen", so Olaf Gleiter.
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