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Klimaschutz schafft Arbeitsplaetze und Exportchancen

Die Vorreiterrolle der deutschen Klimaschutzpolitik bringt Wettbewerbsvorteile fuer die deutsche Wirtschaft. Die im Maerz dieses Jahres veroeffentlichte Prognos-Studie "Klimaschutz und Arbeitsplaetze" weist nach, dass eine Minderung der CO2-Emissionen bis zum Jahre 2020 um 40 Prozent in Deutschland nicht nur machbar ist, sondern auch einen positiven Beschaeftigungseffekt hat -- dies unter Beruecksichtigung des mit der Stromwirtschaft vereinbarten Ausstiegs aus der Atomenergie.

Klimaschutz, der Ausstieg aus der Kernenergie und beschaeftigungspolitische Ziele sind nach Auffassung der Gutachter aus der Schweiz keine Gegensaetze, sondern sie beeinflussen sich gegenseitig positiv. Die Studie widerlegt eindrucksvoll die immer wiederkehrenden Behauptungen, Klimavorsorge und Energiewende schadeten der deutschen Wirtschaft und vergroesserten die Arbeitslosigkeit. Die Prognos-Gutachter errechneten, dass durch die Umsetzung des Klimaschutzprogramms bis zum Jahr 2005 etwa 155.000 neue Arbeitsplaetze entstehen, bis zum Jahr 2020 rechnen sie mit netto etwa 194.000 zusaetzlichen Beschaeftigten. Gezaehlt wurden dabei nur dauerhafte Arbeitsplaetze. Die Beschaeftigungseffekte durch mehr Klimaschutz sind also kein Strohfeuer.

Von diesen positiven Effekten profitieren vor allem Branchen wie der Maschinenbau, das derzeit daniederliegende Baugewerbe, der Oeffentliche Personennahverkehr, die Deutsche Bahn und der Dienstleistungsbereich. Auswirkungen einer Stimulierung des Exportes neuer Technologien oder durch einen Ausbau der Kraft-Waerme-Kopplung sind dabei noch nicht beruecksichtigt. Aufgrund dessen liegen die errechneten Effekte am unteren Rand, betonen die Wissenschaftler.

Anders als noch vor Amtsantritt dieser Bundesregierung prognostiziert, hat Deutschland von seinem internationalen Klimaschutzziel (21 Prozent Minderung des Treibhausgasausstosses bis 2012) bereits mehr als 18 Prozent erreicht. Dieser Erfolg einer anspruchsvollen Klimaschutzpolitik hat auch die Exportchancen der deutschen Wirtschaft spuerbar verbessert. Bekannte Kraftwerkstechnologien wurden in den letzten zehn Jahren zur Weltspitze weiterentwickelt, so dass heute die USA zur Bewaeltigung ihrer Energiekrise in Kalifornien auf hocheffiziente Gasturbinen aus Deutschland zurueckgreifen. Wirkungsgrade von mehr als 57 Prozent bei der reinen Stromerzeugung und mehr als 90 Prozent bei der gekoppelten Erzeugung von Strom und Waerme sind nicht nur oekologisch Spitze, sondern machen derartig zukunftsorientierte Kraftwerke auch oekonomisch sinnvoll.

Auch bei der Gebaeudetechnik haben deutsche Unternehmen weltweit eindeutig eine Fuehrungsrolle. Das "smart"-Haus waere ohne die konsequente Klimaschutzpolitik nicht denkbar gewesen. Vorbildliche Waermedaemmung, modernste Heiztechnik und ein integriertes Leitsystem fuehren zu
Energieverbraeuchen, an die vor wenigen Jahren noch niemand zu denken wagte. Gebaeude, die ohne Energiezufuhr auskommen, sind keine Utopie mehr. Die naechsten Schritte stehen hier mit der Gas-Waermepumpe, dem Brennwertkessel fuer Heizoel und der Brennstoffzelle bevor.

Einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls gibt das CO2-Minderungsprogramm der Kreditanstalt fuer Wiederaufbau, mit dem anspruchsvoller Klimaschutz in bestehenden Gebaeuden umgesetzt wird. Mit 2 Mrd. DM Bundesmitteln werden auf diesem Wege Investitionen in Hoehe von 10 Mrd. DM veranlasst. Dies bringt Beschaeftigung in die daniederliegende Bauwirtschaft.

Auch bei den Haushaltsgeraeten hat die deutsche Wirtschaft Entscheidendes in den zurueckliegenden Jahren geleistet. Angespornt von einer konsequenten Klimaschutzpolitik, die technische Verbesserungen foerderte und Informationen ueber Energieeffizienz dem Verbraucher nahe brachte, werden Haushaltsgeraete ueberwiegend in den besten Effizienzklassen angeboten. In welchem Umfang der Verbraucher durch Klimaschutz sein knappes Budget entlasten kann, zeigt schon allein das Beispiel "stand-by-Verluste": Die durchschnittliche Haushaltskasse kann um bis zum 150 DM pro Jahr entlastet werden. Die energiewirtschaftlichen Effekte einer konsequenten Ausschoepfung nur dieses Potentials: zwei Atomkraftwerke oder drei grosse Braunkohlekraftwerke koennten "ohne Reue" stillgelegt werden.

Dank einer konsequenten Klimaschutzpolitik, die sich der Instrumente Erneuerbare-Energien-Gesetz, 100.000 Daecher Photovoltaik-Programm, Markteinfuehrungsprogramm fuer erneuerbare Energien und Biomasse-Verordnung bedient, ist Deutschland mittlerweile zum Windenergieweltmeister geworden. Ende 2001 werden weit mehr als 8.000 MW Windkraft in Deutschland installiert sein: Eine wirtschaftliche Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht. Immerhin stiegen die Windkraftkapazitaeten in den letzten Jahren mit deutlich steigender Tendenz um mehr als 1.000 MW pro Jahr an. Einen aehnlichen Siegeszug nimmt die Entwicklung bei den Solarkollektoren, der Photovoltaik und der Biomassenutzung. Gerade das mittel- bis langfristig erschliessbare Potential der Biomassenutzung laesst aufhorchen: 930 PJ (Peta-Joule), das entspricht etwa 7 Prozent des heutigen Energieverbrauchs in Deutschland. Das Ergebnis: Mehr und mehr produzieren mittlerweile die Hersteller von Windkraftanlagen, Biomasseverbrennungsanl!
agen, Biogasanlagen, Turbinen zur Wasserkraftnutzung, Solarkollektoren, Waermepumpen und Photovoltaik ihre umweltschonende und arbeitsplatzschaffende Technik nicht nur fuer den heimischen Markt, sondern auch fuer den Export. Mittlerweile wird alleine das Arbeitsplatzpotential im Bereich der erneuerbaren Energien auf 50.000 -- 70.000 Menschen geschaetzt.

Was haeufig im Zusammenhang mit klimaschutzpolitischen Massnahmen verkannt wird, ist die nicht zu leugnende Tatsache, dass Investitionen in Energieeinsparung und Umstrukturierung der Energieversorgung Rueckfluesse haben. Jede unverbrannte Tonne Braun- und Steinkohle, jedes unverbrannte Barrel Oel und jeder unverbrannte Kubikmeter Gas spart Energiekosten.

Umwelt entlasten, Klima schuetzen und Energiekosten sparen sind deshalb die zentralen Anliegen der Klimaschutzpolitik. Dabei sollte auch gewuerdigt werden, dass mit einer solchen Politik die Sicherheit der Versorgung mit Energie -- mittlerweile wieder ein zentrales Anliegen der deutschen Energiepolitik -- massgeblich gestaerkt wird.




presse@bmu.de Datum: 28.11.2001
Uhrzeit: 14 : 04

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