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    Berlin/Düsseldorf, 07.04.2005 Immer wieder stellten deutsche Banken in den letzten Jahren Kredite für Russlands größte Ölfirma, Lukoil, bereit. Sie störten sich nicht daran, dass eben dieser Konzern ein Ölförderprojekt vorantreibt, das eine von Europas bedeutendsten Naturlandschaften gefährdet, und deshalb bei einigen europäischen Regierungen und auch der UNESCO Proteste ausgelöst hat. Auf Einladung von Urgewald und dem Institut SÜDWIND besuchen nun Umweltschützer aus Russland und Litauen die Bundesrepublik, um deutsche Banken für ihre Zusammenarbeit mit Lukoil zur Verantwortung zu ziehen. Im vergangenen Juli begann Lukoil mit der Ausbeutung des umstrittenen D6-Ölfeldes vor dem Nationalpark Kurische Nehrung. Diese 98 km lange russisch-litauische Sandbank mit ausgedehnten Wäldern wurde wegen ihrer Naturschönheit 2000 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Nun bedroht die Förderung von jährlich bis zu 600.000 Tonnen Öl dieses biologische Kleinod sowie die für die Region überlebenswichtige Tourismusindustrie. Da die auf der russischen Seite gelegene Ölplattform nur 9 km von der Grenze entfernt liegt, hätte ein möglicher Ölunfall fatale Folgen auch für Litauen. »Trotzdem hat Lukoil keine Grenz überschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. Das ist eine eindeutige Verletzung internationaler Konventionen«, erklärt Linas Vainius, Energieexperte der litauischen Organisation Atgaja Community. »Die KN liegt jedem Litauer am Herzen, das ganze Land hat gegen das Projekt protestiert,« sagt Vainius. »Lukoil hat grob gegen russisches Recht verstoßen, indem es verhinderte, dass die Öffentlichkeit in das Projekt einbezogen wurde,« berichtet Alexandra Koroleva von der russischen Umweltorganisation Ecodefense. »Solche eklatanten Verstöße kann sich nur ein Großkonzern wie Lukoil erlauben,« sagt Koroleva und berichtet, dass die geplante Ausbeutung des D6-Ölfeldes schon einmal in den achtziger Jahren wegen öffentlicher Proteste abgebrochen werden musste. Heute werde nun das gleiche Projekt mit Hilfe europäischer Banken durchgeführt. Die Biologin und Preisträgerin des »Baltic Sea Award« erklärt, dass es bei einer Leckage nur 12 Stunden dauern würde, bis das ausgetretene Öl die Kurische Nehrung erreicht. »In jedem Lehrbuch steht, dass es im Meer keine Ölförderung ohne Leckage gibt. Deshalb hätte das Projekt an einem so sensiblen Standort nie realisiert werden dürfen,« so Koroleva. Die Firma Lukoil war in den vergangenen Jahren ein beliebter Kunde bei deutschen Banken. So hat die WestLB seit 1999 fast jedes Jahr einen größeren Kredit für Lukoil oder eines seiner Konzerntöchter bereitgestellt. Und als 2003 ein internationales Bankenkonsortium einen Kredit über 765 Mio. US$ an Lukoil vergab, waren auch die Deutsche Bank, die HypoVereinsbank, die Commerzbank, die DekaBank, die DZ Bank, die Dresdner Bank, die Bayerische Landesbank und die Landesbank Hessen-Thüringen mit von der Partie. Ein Grossteil dieser Banken wird von den Umweltschützern besucht, um sie auf die Schattenseiten ihres Kunden aufmerksam zu machen. »Die Banken versuchen sich damit heraus zu reden, dass sie keinen Einfluss auf die von Lukoil getätigten Projekte hätten. Aber im russischen Ölgeschäft werden kaum direkte Projektfinanzierungen vorgenommen; stattdessen stellen die Banken ihren Kunden lieber ungebundene Finanzkredite zur Verfügung. Gerade weil diese nach Belieben eingesetzt werden können, müssen Banken in einem so sensiblen Sektor wie dem Ölgeschäft darauf achten, dass ihre Kunden Mindeststandards einhalten«, fordert Heffa Schücking von der Umweltorganisation Urgewald. Linas Vainius fügt hinzu: »Wer eine Firma wie Lukoil hochpäppelt, die internationale Konventionen in den Wind schießt und vor der Zerstörung von Weltnaturerbe nicht halt macht, trägt auch hierfür die Verantwortung«. Er und Koroleva fordern, dass »europäische Banken endlich europäische Standards einhalten«. Neben den Banken trifft die Delegation auch die »Baltic Intergroup« des Europäischen Parlaments. Schließlich hatten 2004 die Regierungschefs von Dänemark, Schweden, Estland, Lettland und Litauen bei der EU Beschwerde gegen die Praktiken von Lukoil in der Ostsee vorgelegt. Die Sorge um mögliche Gefahren für das Weltnaturerbe brachte auch die UNESCO auf den Plan. Sie verlangte, dass die Grenz überschreitenden Umweltauswirkungen geprüft würden, ansonsten käme die Kurische Nehrung auf die Liste bedrohter Welterbestätten. Vorerst einigten sich Litauen und Russland auf eine nachträgliche Umweltverträglichkeitsprüfung, wofür ihnen bis Juli Zeit gegeben wurde. »Damit diese Untersuchung wirklich unabhängig durchgeführt wird, soll die Europäische Union ein Auge darauf haben – das werden unsere Gäste den Parlamentariern vorschlagen« erklärt Regine Richter von Urgewald. Die Delegation besucht u.a. Düsseldorf, Frankfurt, Strassburg und München. Gesprächstermine sind zwischen dem 7.– 15. April möglich. Die Delegationsteilnehmer können kontaktiert werden über: Heffa Schücking, 0160–96761436 / Regine Richter, 0170-2930725 Nachtrag: Zum Auftakt des Besuchs litauischer und russischer Umweltschützer fand gestern ein Gespräch mit der nordrhein-westfälischen WestLB statt, da diese Bank zu den großen Finanziers des russischen Ölsektors gehört. Antje Schneeweiß vom Institut SÜDWIND konstatiert: »Schon allein die Tatsache, dass ein Gespräch stattgefunden hat, ist als positiv zu bewerten. Vor drei Jahren hätten wir hier vor verschlossenen Türen gestanden.« Ein definitives Ergebnis hatte das Gespräch jedoch nicht. Allerdings, so Schneeweiß, »zeigte sich die WestLB von den Informationen der russischen und litauischen Kollegen beeindruckt. Es wurde offensichtlich, dass sich die Bank vor ihrer Kreditvergabe nicht wirklich mit dem Investitionsprogramm von Lukoil, zu dem auch das D6-Projekt gehört, auseinander gesetzt hatte.« Wie tief greifend die Erkenntnisse der Bank seien, müsse sich jedoch aber an ihrem künftigen Umgang mit dem Kunden Lukoil zeigen. Schließlich plane Lukoil noch weitere Ölförderprojekte sowohl innerhalb als auch in unmittelbarer Nähe zu Naturschutzgebieten. Regine Richter von Urgewald ergänzte: »Leider gibt es noch immer Gesprächsverweigerer unter den deutschen Banken. Dazu gehören sowohl die DZ Bank als auch die Landesbank Hessen-Thüringen. Offenbar müssen Nichtregierungsorganisationen hier noch laut werden, damit diese Banken erkennen, dass man als Finanzinstitut heute Umweltanliegen nicht ungestraft ignorieren kann.« Über die noch anstehenden Gespräche mit weiteren deutschen Banken, werden Urgewald und SÜDWIND in einer Presseinformation zum Abschluss der Besucherreise berichten.



     
      URL: http://www.suedwind-institut.de
    07.04.2005
    15 : 29


     
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